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3 besondere Führungen in Bochum

In Bochum gibt es viele spannende Orte zu entdecken. Noch spannender wird es mit einem Experten an seiner Seite, der einen Blick hinter die Kulissen ermöglicht oder Hintergrundwissen vermittelt, mit dem man selbst später glänzen kann. Wir haben uns drei Führungen angeschlossen, die uns an ganz besondere Ecken geführt haben: über den Mittelalterlichen Markt auf dem Bochumer Weihnachtsmarkt, im Anneliese Brost Musikforum Ruhr und im Zisterzienserkloster in Stiepel.

Mittelalterlicher Markt

Seit der Eröffnung am 24. November habe ich dem Weihnachtsmarkt schon den einen oder anderen Besuch abgestattet, bei Glühwein am Rathaus, Grünkohl auf dem Boulevard und natürlich auf dem Dr.-Ruer-Platz mit dem „Fliegenden Weihnachtsmann“. Auf dem Mittelalterlichen Markt rund um die Pauluskirche war ich in diesem Jahr noch nicht, das habe ich mir für die Führung aufgespart. Und so viel kann ich verraten: Es war ein Besuch, den ich so schnell nicht vergessen werde.

Zum Start stellt sich unser Gästeführer vor: Tumalon, ein mittelalterlicher Herold, also ein Dienstherr des Fürsten. Hinter dem detailreichen Kostüm steckt Frank Pfetzing, der Organisator des Mittelaltermarktes. Heute bleibt er ganz in seiner Rolle, auch was die Sprache und das Zeitgefühl betrifft. So lästert er zu Beginn gleich über unsere modernen Bräuche und bringt damit die komplette Gruppe zum Lachen. So geht es die kompletten 45 Minuten weiter, immer angefüttert mit historischen Fakten und Redewendungen. Wir fühlen uns wie im Mittelalter, was an der lebendigen Führung von Tumalon, aber natürlich auch an der spektakulären Umgebung liegt.

Tumalon führt uns auf dem Mittelaltermarkt von Stand zu Stand, erklärt, was dahintersteckt und stellt uns die Akteure vor: Der Schmied lässt die Funken sprühen, der Fanfarenspieler musiziert für uns und die Wahrsagerin erzählt eine Geschichte, die es mir eiskalt den Rücken runterlaufen lässt. Am Ende des Rundgangs gibt es noch eine Performance auf der Bühne. Wir schauen uns den Dudelsackspieler und den Jongleur mit seinen Feuerkegeln an. Auf dem Platz kommt nochmal richtig Stimmung auf. Anschließend landen wir in der Taverne, wo es unter anderem Met und Glühbier gibt. Das verschiebe ich auf die zweite Runde, denn ein Glühwein ist inklusive. Das war eine wirklich witzige wie unterhaltsame Führung!

https://bochumer-weihnacht.de/besuch/fuehrungen

Musikforum Ruhr

Schon am Tag darauf steht die Führung durch das Anneliese Brost Musikforum Ruhr auf dem Plan. Hier habe ich schon einige Konzerte gesehen und auch die eindrucksvollen Hallen habe ich mir dabei genau angeschaut, immerhin wird hier eine ehemalige Kirche mit einem modernen Neubau verbunden, allein das finde ich schon beeindruckend. Doch was uns bei der Führung hinter die Kulissen erwartet, toppt das ganze nochmal. Beim nächsten Konzertbesuch werde ich den Schlaumeier mimen, so viel steht fest.

Unsere Gästeführerin für die kommenden 90 Minuten ist Michaela Schloemann, die mit echtem Ruhrpottcharme durch die Gebäude führt. Wir beginnen in der ehemaligen Kirche, schauen uns anschließend den kleinen und den großen Saal an. Die habe ich zwar alle drei schon gesehen, aber noch nicht in dieser Form. Es ist schon ein seltsames Gefühl, in den großen, abgedunkelten Saal zu kommen und ihn – nachdem das Licht angeschaltet wurde – in seiner ganzen Schlichtheit zu sehen, wenn alle Plätze und die Bühne leer sind. Nicht nur ich mache da große Augen. Heute erfahre ich auch, warum welcher Stuhl wirklich an welcher Stelle steht. Ein Highlight ist die sonst nicht zugängliche Empore in der Kirche, die sich zum beliebtesten Fotomotiv des Tages entwickelt.

Außerdem lernen wir auch die vielen Zwischenwege kennen und Schloemann erzählt uns spannende Details zur Architektur, Geschichte und zum Ablauf des Spielbetriebs – gleichzeitig kann sie jede Frage beantworten, zum Beispiel welcher Baukrimi hinter dem Musikforum steckt. Ich will vorab nicht zu viel verraten, aber es lohnt sich. Zum Schluss geht es backstage, da habe ich mich schon am meisten drauf gefreut und werde nicht enttäuscht. Wir spazieren durch den Aufenthaltsraum, der wie ein Wohnzimmer in einer WG wirkt, mit amerikanischer Küche. Interessant ist auch das Notenarchiv, das wie eine Bücherei für die Musiker – nur mit Noten – daherkommt. Wahnsinn! Das zeigt auch die riesige Vorbereitung, die hinter jedem Konzert steckt. Nebenbei laufen uns auch immer wieder mal Musiker über den Weg oder hören wir Klänge aus verschiedenen Räumen. Bei dieser Führung sind wir mittendrin, statt nur dabei!

https://www.bochum-tourismus.de/besuch-planen/stadtfuehrungen/fuehrungen-durch-das-anneliese-brost-musikforum-ruhr.html

Zisterzienserkloster

Unsere letzte Führung führt uns in den Süden Bochums, nach Stiepel. Dort sitzt das Zisterzienserkloster, das 1988 gegründet wurde. Führungen werden nur auf Anfrage gegeben, dann aber kostenlos. Ein wenig ehrfürchtig rufe ich im Kloster an und stelle schnell fest, dass hier alle freundlich, aufgeschlossen und auch recht locker sind. Der Pater Prior Maurus Zerb, das Oberhaupt des Klosters Stiepel, gibt uns höchstpersönlich einen Rundgang durch das Gebäude. Das Kloster an sich ist ja eigentlich schon spektakulär genug. Bei verschiedenen Messen war ich schon in der Kirche, den Klostershop hatte ich auch schon besucht und den Kreuzweg bei einer Wanderung zur Ruhr genutzt. Auf den Blick ins Kloster hinein bin ich schon sehr gespannt.

Zerb öffnet uns in den 90 Minuten der Führung die Türen, die sonst für die Öffentlichkeit verschlossen bleiben. Wir starten beim Kreuzgang, den die Mönche zur Besinnung nutzen. Dass die Mönche hier philosophierend entlang wandeln, kenne ich aus Filmen. Auch ich nutze die Möglichkeit, in den lichtdurchfluteten Gängen mit begrüntem Innenhof auf andere Gedanken zu kommen. Prior Zerb trägt dazu bei, indem er uns erzählt, welche wundersamen Geschichten hinter den Kreuzen, Ikonen und Bildern in den Gängen stecken. Dazu lernen wir viel über das Leben der Mönche. Doch der Kreuzgang ist nur der Anfang einer Reihe von Entdeckungen, die heiligen Mauern bergen einige Geheimnisse, sogar den Grundstein des Klosters und die historischen Archive bekommen wir zu Gesicht. Ich will den Überraschungseffekt nicht vorwegnehmen und lasse an dieser Stelle nur die Bilder sprechen.

Das Ende des Rundgangs führt uns zu dem wohl bekanntesten Bereich des Klosters: in die Kirche St- Marien mit dem Gnadenbild der Schmerzhaften Mutter. Zerb erzählt uns von den Legenden rund um die Marienstatue, die bis heute Pilger nach Bochum zieht. Doch in der 1914 gebauten Kirche gibt es noch mehr aufzuspüren, der Prior hilft uns auf den richtigen Weg. Im Klostershop schauen wir nachher auch noch vorbei, denn hier gibt es unter anderem von Zerb geknüpfte Rosenkränze und den leckeren Klostergin, der übrigens auch in der Touristinfo an der Huestraße 9 erhältlich ist. Mit vielen Erkenntnissen und vollen Taschen gehen wir glücklich nach Hause.

www.kloster-stiepel.de/kloster/klosterführungen

verfasst von Felix

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