Bochum. Die Galerie Ruttkowski;68 lädt zur Eröffnung der Ausstellung Zwischen A und w von Gregor Hildebrandt ein. Am Samstag, 31. Mai 2026, von 14 bis 18 Uhr sind der Berliner Künstler und Kurator Gregor Jansen persönlich anwesend. Die Ausstellung umfasst rund 30 Werke aus verschiedenen Schaffensphasen seit 2010 und zeigt Hildebrandts unnachahmliche Kunst, vergängliche Alltagsobjekte wie Schallplatten, Kassetten und Magnettonbänder in monumentale, sinnlich erfahrbare Kunstwerke zu verwandeln.
Ein Labyrinth aus schwarzem Vinyl
Wer den Hauptraum der Galerie betritt, steht unvermittelt vor einem der eindrucksvollsten Werke der Ausstellung: einer 4 Meter hohen und 11 Meter langen Wand aus deformierten Vinyl-Schallplatten, die muschelartig zu einer organischen Schwarzstruktur zusammengefügt wurden. Die LP-Scheiben wurden eigens verformt und in eine besondere skulpturale Form gebracht – ein Effekt zwischen industrieller Materialästhetik und poetischer Naturform. Die schwarze Wand öffnet sich labyrinthartig in den Raum, gibt Tiefe und Schatten frei und entfaltet eine fast architektonische Wirkung.
Im Inneren des labyrinthischen Raumes setzen sich die Werke fort: Skulpturen, Reliefs und raumgreifende Installationen, alle aus Vinyl-Scheiben oder Magnettonbändern gefertigt. Ein Monument aus stummem Klang, das Malerei, Skulptur und Installation zu einem überwältigenden Gesamteindruck vereint.
Zwischen Alpha und Omega
Der Ausstellungstitel Zwischen A und w ist vieldeutig: Er umspannt das griechische Alphabet von Alpha bis Omega – Symbol für Anfang und Ende, für das Umfassende. Er verweist auf Hildebrandts Eltern Astrid und Wolfgang. Und er bündelt ein assoziatives Universum aus Musik, Kunstgeschichte und popkultureller Memoria: Bowie, Bauhaus, Burri, Bowers & Wilkins und Brancusi tauchen auf wie Leitmotive in einer Komposition.
Gregor Hildebrandt arbeitet mit allmählich verschwindenden Speichermedien und überführt sie in Kunst von hoher sinnlicher Dichte. Die Werke sind nicht nur Objekte, sondern Echoräume: Sie tragen unsichtbar gespeicherte Musik, Erinnerungen und kulturelle Bezüge in sich. Die aus Magnetband gefertigten Gemälde, die terrazzoartigen Mosaike aus zerbrochenen LP-Fragmenten und die dreidimensionalen Vinyl-Skulpturen erzeugen eine taktile Erfahrung von Klang – malerische Darstellungen des Unhörbaren.
Musikbox, Wohnzimmer und Schachspiel
Im Zentrum der Ausstellung steht eine Musikbox des Typs Lyric aus dem Hause Wurlitzer – versehen mit irisierenden Schallplattenstücken. Glossy und arty bildet sie das pulsierende Herz einer Schau, die den Besucher in ein stimmungsvolles, fast wohnliches Ambiente entführt. Wohnzimmer rechter Teil Stirnwand und Wohnzimmer linker Teil Stirnwand (beide 2019) verdichten sich zu einer artifiziellen Häuslichkeit voller versteckter Referenzen.
Eigens fuer das Projekt geschaffene Werke ergänzen die Schau: Das Kassettenkastenbild Astrid erinnert an eine farbige Kindheitserinnerung mit französischem 2CV; Bodenfliesen Florenz und Mosaik Forum Romanum verströmen ferienfeeling an der Ruhr. Geometrische Abstraktionen wie Wo Du mich suchst beginnt die Stadt und Wo Du mich liebst beginnt der Wald (2022) reagieren auf den Bochumer Schlosspark und die Galeriearchitektur.
Genius loci: Bochum
Die Galerie Ruttkowski;68 – bis 1969 die legendäre Galerie m Bochum, Vertreterin von Serra, Morellet und Lee Ufan – hat ihren Sitz seit 1974 in einem eigens entworfenen Ausstellungsbau im Park von Haus Weitmar. Der Ort selbst trägt zum Titel bei: Der Galerist Berswordt-Wallrabe (B & W), die Parklandschaft, die Geschichte des Hauses – alles scheint Teil von Hildebrandts assoziativer Partitur.
Gregor Hildebrandt, 1974 im Saarland geboren, lebt und arbeitet in Berlin. Seit 2015 ist er Professor für Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste München. Er ist einer der markantesten Vertreter einer Kunst, die das Ephemere bewahrt und das Alltägliche in Aura überführt – eine neue Sicht des Nouveau Realisme, die Revolution des Alltäglichen.
ZUR AUSSTELLUNG
Titel: Zwischen A und w
Künstler: Gregor Hildebrandt
Kurator: Gregor Jansen
Eröffnung: Samstag, 31. Mai 2026, 14–18 Uhr
Laufzeit: 03.06.–09.08.2026
Öffnungszeiten: Mittwoch–Sonntag, 14–18 Uhr
Ort: Ruttkowski;68, Schloßstr. 1A, Bochum
Anwesenheit Opening: Gregor Hildebrandt (Künstler) und Gregor Jansen (Kurator)
