Manchmal brauchen Träume etwas länger. 2014 drehte Max Ponischowski als Diplomarbeit den Kurzfilm „Träumer“. Mehr als zehn Jahre später ist dieser Teil eines deutlich größeren Projekts: „Pathologie“, ein Zombie Episodenfilm, der sechs Genres miteinander verbindet und zu großen Teilen in Bochum entstanden ist. Aktuell befindet sich der Film in der Postproduktion. Noch in diesem Jahr soll er fertig werden und anschließend unter anderem in lokalen Kinos laufen. Damit schließt sich für Ponischowski ein Kreis.
Der gebürtige Wittener hat Regie und Filmproduktion in Dortmund studiert und wollte danach in die weite Welt hinaus. 2016 gründete er die Filmproduktionsfirma Gorlami – der Name ist eine Anspielung auf eine Szene aus Quentin Tarantinos „Inglourious Basterds“. Anschließend reiste der Filmemacher zweimal in Folge zu Comic-Conventions in die USA, um „Träumer“ zu vermarkten. Dort heimste er zwar einige Preise ein, musste jedoch lernen, wie hart das internationale Filmgeschäft sein kann. Begraben hat er seine Pläne deshalb nicht. Zunächst baute er sich aber ein sicheres Standbein auf: Seinen Lebensunterhalt verdient er mit Image- und Produktfilmen, Musikvideos und Reportagen.
Seit dreieinhalb Jahren sitzt Gorlami an der Rottstraße 19 in Bochum. In einer ehemaligen Bäckerei hat Ponischowski auf rund 160 qm sein eigenes Studio aufgebaut: mit Bühne, Schnittraum, Greenscreen und allerhand Technik. Vieles entstand in Eigenregie, ohnehin ist der 34-Jährige ein Multitalent – ob im Schnitt, als Agenturleiter, Produzent, Regisseur, Sound-Artist, Kameramann oder Bauleiter. Dabei legt er immer einen gewissen Perfektionismus an den Tag. „Das muss man in der Branche auch“, findet er. Ganz allein arbeitet der Bochumer Filmemacher trotz dem nicht. Über die Jahre ist ein fruchtbares Netzwerk entstanden. Das hat sich auch beim Langfilmprojekt „Pathologie“ ausgezahlt.
Bei großen Drehtagen waren bis zu 100 Menschen beteiligt. Gedreht wurde unter anderem im Bochumer Westpark, in der Unterwelt der Jahrhunderthalle, bei einem Bestattungsinstitut in Bochum-Linden, im eigenen Studio, außerdem in Duisburg. Auch an Effekten hat es nicht gemangelt. Neben den Zombiehor den sorgte ein renommierter Stuntkoordinator für spektakuläre Szenen mit Explosionen und sich überschlagenden Autos. Inhaltlich geht es um Macht, Gier, Überlebenskampf, Kontrollverlust, Verlangen und Alpträume. Jede Menge Stoff also für einen atmosphärischen Kinofilm – made in Bochum.
Dass die Produktion bereits rund acht Jahre dauert, hat viele Gründe. Corona erschwerte die Dreharbeiten, zudem starben zu dieser Zeit auch noch zwei eng in das Projekt ein gebundene Menschen. Doch Ponischowski machte weiter und lebte seinen Traum. Finanziert wurde der Film vor allem durch Eigenmittel, Crowdfunding und kleinere Förderungen. Viele Beteiligte verzichte ten auf reguläre Gagen. Würde man alle Mitwirkenden marktüblich bezahlen, schätzt Ponischowski deren Wert auf rund eine Million Euro.
Ponischowski fiebert der Fertigstellung seines ersten Langfilms entgegen. „Wenn ich ihn das erste mal sehe, das wird sicher emotional“, sagt er. „Pathologie“ soll für ihn aber nicht das Sprungbrett nach Hollywood sein. Der Film soll vielmehr zeigen, welche Bandbreite Gorlami beherrscht – und Türen für neue Projekte und Förderungen öffnen. Einen Schwerpunkt möchte er künftig auf Bildungsprojekte, Nachhaltigkeit und die Klimawende legen, außerdem Film als Veran staltung wie eine Kleinkünstlerbühne feiern, um Menschen zusammenzubringen. Der „Träumer“ von damals ist seinem Ziel heute ziemlich nah.
