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Selbstversorgung in Bochum

Nachhaltigkeit startet auf dem eigenen Teller.

Laut dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft werden nur rund 20 Prozent unseres Obstbedarfs durch heimische Erzeugung gedeckt, bei Gemüse sind es 37 Prozent. Weil Themen wie Nachhaltigkeit und Regionalität von Lebensmitteln allerdings immer mehr an Aufmerksamkeit gewinnen, zeigt die Entwicklung: Die Leidenschaft, Nahrungsmittel im eigenen Garten anzubauen, wird wieder zunehmend mehr zum Trend. Die Vorteile reichen von großer Geldersparnis, über mehr Frische und besseren Geschmack bis hin zur Kontrolle über die Anbaubedingungen im eigenen Beet.

Wer allerdings kein Grünstück hinter dem Haus besitzt, aber dennoch selbst Gemüse anbauen möchte, kann sich im Rahmen von „Meine Ernte“ saisonweise einen Mietgarten ausleihen. Das Bonner Unternehmen wurde vor knapp 17 Jahren von Wanda Ganders und Natalie Kirchbaumer gegründet und vermietet seitdem in Zusammenarbeit mit lokalen Landwirt*innen deutschlandweit Parzellen. Bereits seit 2011 wird Hobbygärtner*innen in Bochum-Hiltrop die Möglichkeit zur Selbstversorgung geboten, auf dem Hof Blome von Dieter Blome – damals einer der ersten von inzwischen 30 Standorten.

Mieter*innen können zwischen kleinen Gärten von 45 Quadratmetern und 90 Quadratmeter großen Familien-Selbsterntefeldern wählen. Ab 259 Euro pro Saison kann man auf dem kleinsten Stück Acker bereits arbeiten. Erstes Saatgut und Wasser sind inklusive, Gartengeräte wie Haken und Gießkannen stehen frei zur Verfügung. Ist die Saison eröffnet, sind die Parzellen bereits vorbereitet: Saatgut für über 30 verschiede ne Gemüsesorten ist schon im Boden. Von Zucchini und Möhren über Rote Bete bis hin zu verschiedenen Kartoffelsorten, Kohlrabi und Kürbis ist alles mit dabei.

Darüber hinaus steht ein Wunschbeet zur Verfügung. Anfänger*innen werden an die Hand genommen, bekommen Tipps zur Pflege des Gartens und späteren Ernte, für die jede*r selbst zuständig ist. Auf der 7000 Quadratmeter großen Ackerfläche von Landwirt Dieter Blome stehen insgesamt 130 Gärten zur Verfügung, jedes Jahr sind im Schnitt über 80 Prozent vermietet. Warum das Angebot so gut angenommen wird? „Egal ob Stress auf der Arbeit oder in der Partnerschaft: Sobald man auf dem Feld steht, kann man sofort einen Gang runter fahren“, erklärt Projektleiterin Wanda.

Knackig frisches Gemüse lässt sich zudem in Witten-Stockum sammeln: Auf dem Hof Bockholt, an der Stadtgrenze zu Bochum, hat Landwirt Jan Bockholt sein Selbst pflück-Areal nun schon im neunten Jahr zur Ernte freigegeben. Regionale Frische ist garantiert, das Gemüse kann direkt vom Feld an der Hörder Straße 148 A in den Kochtopf wandern. Der Preis ist nach Abnahmemenge gestaffelt, liegt in der Regel aber bei dem, was im Supermarkt oder auf dem Wochen markt bezahlt werden müsste. In der naturnahen Umgebung sind Kartoffeln, Mais, Buschbohnen, Zwiebeln und vieles mehr gepflanzt. Je nach Wetter- und Ertragslage bleibt das Feld bis zum Spätsommer offen.

Auch die Stadt Bochum trägt mit insgesamt 21 Streuobstwiesen ihren Teil zum Angebot der Selbstversorgung bei. Bürger*innen wird ermöglicht, an unterschiedlichen Standorten kostenlos Obst wie Äpfel oder Kirschen ernten zu können – regional, saisonal und ungespritzt. Die Ernte ist ausschließlich für den privaten Eigenbedarf bestimmt. Als Richtwert gelten maximal zwei Eimer pro Person. Zum Schutz der Bäume und Wiesen gibt es allerdings einige Regeln: Verboten ist das Abreißen der Äste, Klettern oder die Nutzung von Leitern sowie das Befahren der Wiesenflächen mit dem Auto.

Darüber hinaus zeigt Bochum, dass nach haltige Ernährung nicht nur auf dem Land funktioniert: Mit Projekten wie „EssBO!“ Und „mundraub.org“ wird sichtbar, wie urbanes Grün und gemeinschaftliches Engagement die Stadt verändern können. Die Initiative „EssBO!“ setzt sich dafür ein, essbare Pflanzen stärker in den öffentlichen Raum zu integrieren. Gemeinschaftsgärten, Hochbeete und Obstflächen schaffen Orte, an denen Natur und Alltag zusammenkommen. Dabei geht es nicht nur um Lebensmittel, sondern auch um Umweltbildung, Nachbarschaft und bewussteren Umgang mit Ressourcen. Viele Bochumer*innen können dadurch neu entdecken, welche Möglichkeiten direkt vor der eigenen Haustür liegen.

Ergänzt wird dieser Gedanke durch die Plattform „mundraub.org“. Die Plattform sammelt deutschlandweit Standorte öffentlich zugänglicher Obstbäume, Kräuter und Nusssträucher – auch in Bochum. Über eine digitale Karte können Nutzer*innen entdecken, wo Äpfel, Beeren und mehr frei wachsen und geerntet werden dürfen. Das Projekt verbindet Nachhaltigkeit mit Bewegung und schafft gleichzeitig ein vertiefteres Bewusst sein für regionale Lebensmittel. Viele der eingetragenen Standorte werden dabei gemeinschaftlich gepflegt oder ergänzt. So entsteht ein Netzwerk aus engagierten Menschen, die ihre Stadt aktiv mitgestalten.

Gerade in Städten gewinnen Ideen wie diese zunehmend an Bedeutung und stärken lokale Gemeinschaften. Bochum entwickelt sich somit Schritt für Schritt zu einer Stadt, in der Ernährung, Umwelt und gemeinschaftliches Leben enger zusammenrücken. Gleichzeitig machen solche Projekte sichtbar, wie viel ungenutztes Potenzial in städtischen Grünflächen steckt – ökologisch, sozial und auch für das Bewusstsein regionaler Ernährung. Nachhaltiges Handeln kann so einfach sein …

Um Bewusstsein dafür zu schaffen, hat sich Bochum Marketing das Thema Nachhaltig keit in diesem Jahr auf die Fahne geschrie ben. Mit zahlreichen Projekten wie der Nachhaltigkeitszentrale, Veranstaltungs formaten und Beteiligungsmöglichkeiten wird das Thema in den Mittelpunkt gerückt. Zukunfts- und umweltbewusstes Denken fängt schon auf dem eigenen Teller an – und wird durch die vorgestellten Projekte und Möglichkeiten in Bochum und Umgebung weitergetragen.

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