Im September 2025 wurde Jörg Lukat zum Oberbürgermeister der Stadt Bochum gewählt, fünfeinhalb Wochen später wurde er in sein Amt eingeführt. Was seitdem mehr als deutlich wird: Der ehemalige Bochumer Polizeipräsident möchte mit der Bürgerschaft der Stadt in den Austausch kommen. Lukat möchte aus erster Hand erfahren, was die Leute in Bochum bewegt, welche Herausforderungen sie zu meistern haben und an den gemeinsamen Lösungen mitarbeiten oder diese in die Wege leiten.
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11 Fragen an Jörg Lukat, Oberbürgermeister der Stadt Bochum
1. Was hat Sie in den ersten Monaten als Bochumer Oberbürgermeister am meisten überrascht?
Ich würde eher sagen: beeindruckt, denn ich bin beeindruckt von dem enormen ehrenamtlichen Engagement in Bochum. Solidarität ist Teil der DNA der Stadt. Das spüre und erlebe ich jeden Tag.
2. Inwiefern hilft Ihnen bei Ihrer neuen Aufgabe Ihre vorherige Tätigkeit als Polizeipräsident Bochums?
Ich war Behördenleiter von knapp 2000 Mitarbeitenden, das hilft, ein Grundverständnis zu haben, wie behördliche Prozesse sich gestalten. Als Polizeipräsident war ich für die Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger verantwortlich. Das bin ich auch als Oberbürgermeister, aber die Aufgaben sind jetzt um ein Vielfaches facettenreicher. Es geht nicht nur um innere Sicherheit, sondern wichtig ist die Gestaltung der sozialen Sicherheit von der Kindheit bis ins hohe Alter.
3. Wie haben Sie Bochum in dieser Rolle wahrgenommen?
Bochum war für mich als Polizeipräsident immer ein professioneller und verlässlicher Partner. Sei es bei der Planung von Großveranstaltungen, bei den regelmäßigen gemeinsamen Kontrollmaßnahmen oder auch im Austausch über allgemeine und spezielle Sicherheitsthemen.
4. Ein Blick auf Ihren Lebenslauf vermittelt den Eindruck, dass Sie vor allem in den ersten Jahrzehnten ihrer beruflichen Laufbahn ständig entweder der Lernende (Abitur am Abendgymnasium, verschiedene abgeschlossene Studien etc.)
oder der Lehrer (Fachlehrer an der Polizeischule) waren. Was liegt Ihnen mehr?
Für mich ist beides wichtig und reizvoll. Zu jeder Zeit bin ich Lernender, weil jeder Tag neue Begegnungen oder Eindrücke mit sich bringt. Sobald man seine Erfahrung weitergibt oder teilt, ist man Lehrender. Lernender und Lehrender, das sind fließende Prozesse und eigentlich die untrennbaren zwei Seiten ein und derselben Münze.
5. Haben Sie bisher in Ihrer Rolle als Oberbürgermeister mehr gelernt oder mehr gelehrt?
Zurzeit sicher mehr gelernt. Und das wird bestimmt noch ein bisschen so bleiben.
6. Bochum ist für mich …
die spannendste Stadt im Ruhrgebiet.
7. Starlight Express oder Bochumer Symphoniker?
Beides kenne und schätze ich sehr, gestehe aber, dass ich den vielfältigen musikalischen, sportiven und dynamischen Eindrücken bei Starlight Express gerne erliege.
8. Aufregendes VfL-Heimspiel im Vonovia Ruhrstadion oder entspannter Spaziergang rund um den Kemnader See?
Natürlich beides: Ich gehe gerne ins Stadion und genieße die Atmosphäre und Euphorie, aber auch die Ruhe und die Schönheit der Natur bei einem Spaziergang um den Kemnader See.
9. Im Wahlkampf war Ihr Gesicht eng mit den Slogans „Für Bildung“, „Für Sicherheit“ und „Füreinander“ verbunden. Wie wollen Sie diese in den nächsten Jahren mit Leben füllen?
Bildung ist wichtig. Deshalb werden wir die größten Anstrengungen an den Tag legen, um allen Kindern eine bestmögliche Bildung zu ermöglichen. Schulen müssen zu Wohlfühlorten des Lernens und Zusammenseins werden. Sicherheit meint nicht nur innere Sicherheit, sondern auch soziale Sicherheit. Bochum ist eine sichere Großstadt, das zeigt die Kriminal- aber auch die Verkehrsstatistik. Aber Zahlen allein produzieren keine Sicherheit. Sicherheit ist auch ein Gefühl, und wer sich unsicher fühlt, meidet Orte und verringert dadurch die natürliche Sozialkontrolle. Ich will dafür sorgen, dass sich Menschen wohlfühlen. Dazu gehört es, schnellstmöglich irregulär entsorgten Müll zu beseitigen und bestmöglich die Verursacher zu ermitteln. Dazu gehört aber auch, gefühlte Angsträume aufzulösen, damit man sich angstfrei bewegen kann. Ich möchte als Oberbürgermeister nah bei den Menschen sein und mich jeden Tag für den Zusammenhalt der Gesellschaft einbringen. Auch für diejenigen, die wir vielleicht nicht immer direkt auf dem Schirm haben, die vielleicht an mancher Stelle durch das Raster fallen und die nicht so gute Startbedingungen hatten und haben: zum Beispiel die obdach- und wohnungslosen Menschen in unserer Stadt. Einmal im Monat bin ich in einem Quartier in der Stadt vor Ort unterwegs, werde versuchen, alle weiterführenden Schulen zu besuchen, um mit Schülerinnen und Schülern, Lehrerinnen und Lehrern sowie Eltern ins Gespräch zu kommen. Wir müssen mehr zu den Leuten vor Ort. Auf der Straße, in Vereinen und Initiativen, in den Unternehmen.
10. Man hat das Gefühl, dass Ihnen sehr wichtig ist, mit Menschen in dieser Stadt ins Gespräch zu kommen. Stimmt dieser Eindruck?
Auf jeden Fall! Mir ist es wichtig, ansprechbar zu sein, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Ob in Schulen, auf der Straße, bei der Suppenküche oder ganz spontan auf dem Markt. Ich möchte wissen, wo den Menschen der Schuh drückt, was sie bewegt, was sie sich wünschen. Wir können als Stadt sicher nicht alles erfüllen, aber ich möchte zuhören und gemeinsam Lösungen entwickeln, wie das Zusammenleben in Bochum noch besser funktioniert.
11. Welche Schlagzeile wünschen Sie sich am Ende Ihrer Amtszeit als Oberbürgermeister über Bochum in den Medien?
Schlagzeilen mag ich ehrlicherweise gar nicht. Da ich gerade erst angefangen habe, denke ich noch nicht ans Aufhören oder an Schlagzeilen, die am Ende über mich geschrieben werden.