„Keine Sorge, ich werde Superstar!“ In diesem Satz, den Ryko im zarten Alter von 17 Jahren einmal zu seiner Mutter gesagt hat, schwingt einiges mit, aber vor allem Selbstbewusst sein. Das spürt die immer weiter wachsende Followerschaft seiner Social-Media-Kanäle tagtäglich. Doch bis er als Content Creator und Stand-up-Comedian seine Berufung gefunden hatte, stand Ryko schon in unter schiedlichen Rollen auf verschiedenen Bühnen – heute tut er dies mit klarer Haltung und jeder Menge Pott-Charme. Kein Bühnenkonstrukt, kein Kostüm. Ein Typ mit Unterhemd, echter Brille, frecher Lippe und einem feinen Gespür für Timing und Worte.
Sach ma...

11 Fragen an Stand-up-Comedian Ryko.
1. Battle-Rapper, Punkrochmusiker, Poetry-Slammer, "Taxitellermann", Influencer, Comedian ... Was denn nun?
Bürgermeister des Ruhrpotts. So nennen die Leute mich. Ansonsten würde ich eigentlich sagen: Content Creator und Stand-up Comedian, Ex-Battle Rapper, Ex-Musiker. Also eigentlich habe ich schon alles gemacht.
2. Würdest du sagen, dass dir bei deiner aktuellen Tätigkeit dieser Lebenslauf geholfen hat?
Auf jeden Fall, klar. Alleine, dass ich schon etliche Male auf einer Bühne vor Leuten stand und dabei auch schon im künstlerischen Bereich tätig war. Aber es fühlt sich jetzt gerade danach an, dass ich das gefunden habe, was ich finden wollte und mich entfalten kann.
3. Wie viel Prozent Ryko sind gespielt und wie viel der Mensch, der morgens nach dem aufstehen vor dem Spiegel steht?
Privat habe ich natürlich mehr Tiefe in meiner Persönlichkeit. Ansonsten sag ich immer: „Eine Armlänge Abstand!“ Damit ich eine ordentliche Trennung habe und nicht irgendwelche Psychosen bekomme, weil ich nur noch mit Sonnenbrille rumrenne und keine Ahnung mehr habe, wer ich bin.
4. Mit 17 Jahren sollst du zu deiner Mutter mit Blick auf deine kaufmännische Lehre gesagt haben: „ Keine Sorge, ich werde Superstar." Erstens: Stimmt das? Zweitens: Wie hat sie reagiert? und Drittens: Was hat dich da so sicher gemacht?
Erstens: Ja, stimmt. Zweitens: Die hat mich angeguckt und gefragt, ob ich mit dem Kopf irgendwo vorgelaufen bin, ob es mir gut geht oder ob ich Fieber habe. Und drittens: Ich habe irgendwann mal darüber nachgedacht, was der Zweck meiner Existenz ist. Was mache ich eigentlich hier auf der Erde? Ich war schon immer ein Typ, der Leute unter halten hat, ob es auf einer Bühne war oder im privaten Bereich – der Sprücheklopfer, der die Leute zum Lachen bringt. Dann habe ich gedacht: Das ist meine Aufgabe.
5. Musstest du die Leute im Rahmen deiner Ausbildung im Autohaus auch unterhalten?
Ganz ehrlich: Auf die Leute hatte ich gar keinen Bock, da wollte ich auch keinen unterhalten. Da war mir eher langweilig. Aber mir haben jetzt ein paar alte Arbeitskolleginnen geschrieben, dass sie nicht wundert, was ich jetzt mache.
6. Markus Krebs, Bastian Bielendorfer, Torsten Sträter und... und... und... Warum tragen Menschen aus dem Ruhrgebiet eigentlich so viel Humor in sich?
Was bleibt einem hier anderes übrig!? Es gibt doch diesen Spruch: „Humor ist, wenn du trotzdem lachst!“ Der passt gut hierher. Wir sind hier in einem Ballungsgebiet, wo auch viel Armut herrscht, wo Kinder ihre Väter jahrelang kaum gesehen haben, weil sie ständig auf Montage oder unter Tage waren. Aber unser Humor ist immer da und den nimmt uns auch nichts und niemand
7. Hängt es auch damit zusammen, dass es hier für Comedians viel „menschliches Anschauungsmaterial" auf der Straße gibt?
Es gibt hier einfach viele Leute, die sich selbst nicht ernst nehmen. Hier ist auch vieles ein fach egal. Wenn man hier abends unterwegs ist, lernt man immer andere Leute kennen. In keiner Stadt außerhalb des Ruhrgebiets passiert mir das so häufig. Das hängt auch damit zusammen, dass wir schnell merken, dass wir den gleichen Humor haben.
8. Apropos Torsten Sträter: Du hast ihn schon mal in einem Atemzug mit Zinedine Zidane genannt. Die beiden passen auf dem ersten Blick nicht direkt zusammen, oder?
Für mich schon! Ich habe früher hoch Fußball gespielt und mir vor jedem Spiel „Best of“ Videos von Zinedine Zidane angeschaut und gedacht: „So mache ich das gleich auch!“ Und so ähnlich ist es heute mit Torsten Sträter. Wenn ich Inspiration brauche, dann gucke ich mir seine Bits an. Der ist einfach der Wahnsinn.
9. Nicht nur beim Fußball herrscht zwischen Ruhrgebietsstädten eine gewisse Rivalität. Wie siehst du das?
Bei mir fließt einfach alles durch. Ich spreche immer nur vom Ruhrpott, weil dieses ganze Gebiet mir so sehr am Herzen liegt. Ich mag das Gefühl der Rivalität hier nicht. Wir hocken schon so eng aufeinander. Warum soll man sich dann noch wegen Banalitäten streiten? Zum Fußball: Wir haben hier nur Traditionsvereine, die für mich alle in die obersten Ligen gehören. Deshalb drücke ich auch allen die Daumen. Fan von einem Verein zu sein, verstehe ich gut. Dass es in Gewalt ausartet, kann ich gar nicht nachvollziehen.
10. Woran denkst du als erstes, wenn du an Bochum denkst?
Herbert Grönemeyer.
11. Warum?
Das ist für mich Kindheit. Ich bin mit der Mucke von ihm groß geworden. Für mich ist das Kult. Aber Bochum hat natürlich noch so viel mehr zu bieten. Das sage ich nicht, weil ich eine Präsidentschaftsrede halten möchte: Ich liebe Bochum. Ich gehe hier abends raus, habe immer entspannte Abende und mag die Menschen hier total. Es gibt in dieser Stadt viel zu sehen: Man sollte mal in der Ritterburg gewesen sein, sich Starlight Express anschauen, und es existiert noch so viel mehr. Das alles gibt einem ein schönes Lebensgefühl.