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11 Fragen an Uwe Rösler, Cheftrainer VfL Bochum

Wer Uwe Rösler während eines Fußballspiels an der Seitenlinie beobachtet, braucht nicht lange, um zu erkennen, dass er seinen Job mit Leib und Seele sowie mit großer Leidenschaft ausübt. Der Cheftrainer des VfL Bochum 1848 hat schon in seinem allerersten Heimspiel für seinen neuen Arbeitgeber viele Sympathien gewonnen. Auch im Interview mit dem BOMA-Stadtmagazin vermittelt der gebürtige Thüringer den Eindruck: Rösler und Bochum – das könnte zu einer besonderen Verbindung werden. 

1. Lilleström, Viking Stavanger, Molde FK, FC Brentford, Wigan Athletic, Leeds United, Fleetwood Town, Malmö FF, Fortuna Düsseldorf, Aarhus GF. Wie passt der VfL Bochum in diese Reihe? Und wie gut passt Uwe Rösler zum VfL?

Der VfL passt sehr gut in diese Reihe, weil es sich um einen Traditionsverein mit großer Geschichte handelt. Offensichtlich werde ich von solchen Clubs angezogen. Aber das ist auch kein Zufall, weil mir immer wichtig war, für Vereine mit einer besonderen Historie, großen Ambitionen und einer treuen Anhängerschaft zu arbeiten. Und das ist hier definitiv der Fall. 

2. Du bist – auch schon in deiner aktiven Laufbahn – zwischen Deutschland, England und Skandinavien gewechselt. Wie unterscheiden sich diese Länder mit Blick auf den Fußball und die Menschen?

Die Gründe dafür sind schnell erklärt: Ich bin gebürtiger Deutscher und hier aufgewachsen. Ich bin als Spieler nach England gewechselt und hatte bei Manchester City meine schönste Zeit. Und dort habe ich auch meine Frau kennengelernt, die Norwegerin ist. Kulturell und fußballkulturell sind die Unterschiede schon groß, auch wenn mich meine Zeit bei Manchester stark an den damaligen Osten Deutschlands erinnert hat: Kameradschaft und Solidarität wurden großgeschrieben. Mit diesen Tugenden bin ich aufgewachsen und deshalb habe ich mich in England auch so wohlgefühlt. In Skandinavien hingegen geht es insgesamt deutlich ruhiger zu. Dort ist es für Trainer oft wichtig, den Spielern alles abzuverlangen. Deshalb wurde ich in der Vergangenheit wohl schon von einigen Vereinen verpflichtet (lächelt). Mein Job war dann immer, die Clubs aus dem Dornröschenschlaf aufzuwecken. 

3. Jetzt also Bochum. Du hast im Rahmen deiner Vorstellungspressekonferenz davon gesprochen, dass im Ruhrgbiet der Fußball wie eine Religion sei. Spürst du das auch hier in der Stadt?

Für mich ist es immer interessant, dort zu arbeiten, wo das Credo gilt: eine Stadt, ein Verein. Wo das so ist, herrschen auch immer viele Emotionen, viel Hingabe und viel Begeisterung. Das ist hier im Ruhrgebiet nochmal ausgeprägter als zum Beispiel in Aarhus, meiner letzten Station. Der Fußball bedeutet hier so viel, die Rivalitäten sind so groß. Das – und die Geschichte des VfL mit Auf- und Abstiegen, dazu ein bisschen Drama – reizt mich sehr. 

4. Wann warst du eigentlich das erste Mal im Ruhrstadion?

Das müsste Anfang der 1990er-Jahre zu einem Auswärtsspiel mit Dynamo Dresden gewesen sein. Ich kann mich noch gut an die Anreise erinnern. Wir sind insgesamt zehn Stunden gefahren und waren froh, als wir den Schneefall und alle anderen Widrigkeiten auf der Fahrt überwunden hatten. An das Spiel selbst habe ich nicht mehr so viele Erinnerungen (1:0-Sieg für den VfL im Jahr 1992, Anm. d. Red.).

5. Wie war es dann nach all der Zeit, plötzlich als heimischer Trainer hier ins Vonovia Ruhrstadion einzulaufen?

Es war Wahnsinn! Die Atmosphäre hat mich wirklich beeindruckt. Die Mannschaft hat es in meinem allerersten Spiel für den VfL aber auch direkt geschafft, den Funken vom Platz auf die Ränge überspringen zu lassen. Ohne die Zuschauer hätten wir das Spiel nicht gewonnen. Die Fans haben uns getragen und uns dabei geholfen, das Ergebnis über die Zeit zu bringen. Die Symbiose zwischen Mannschaft und Anhängerschaft war fantastisch.

6. Und die zwischen Trainer und Anhängerschaft?

Ich habe mir Mühe gegeben, eine Verbindung aufzubauen (lächelt). Es macht einfach unheimlich Spaß, und ich brauche das auch. Um die beste Version von mir selbst zu sein, brauche ich ein volles Stadion und solche unglaublichen Fans. 

7. Zurück zu deiner Spielerzeit:

In deinem ersten Spiel im Ruhrstadion standen auf Bochumer Seite Heiko Bonan und Dariusz Wosz in der Startformation. Mit den beiden – und mit Jörg Schwanke und Torsten Kracht, die ebenfalls für den VfL aktiv waren – hast du eineinhalb Jahre zuvor noch im letzten DDR-Länderspiel der Geschichte in Belgien in einem Team auf dem Platz gestanden. Verrückt, oder?

Ja, aber ich hatte auch auf dem Schirm, dass hier beim VfL nach der Wende viele „Ossis“ gespielt haben. Und das auch durchaus erfolgreich. Dariusz ist natürlich zu einem absoluten Aushängeschild des Vereins geworden. Er ist hier eine Legende. Es ist schön, dass ich ihn nun wieder häufiger sehe, wir haben uns schon immer gut verstanden. Mit Blick auf das letzte Länderspiel der DDR: Mir war damals schon klar, dass es sich um einen historischen Moment handeln würde. Davon Teil gewesen zu sein, ist etwas Besonderes und kann einem keiner mehr nehmen. Und dann haben wir auch noch 2:0 gewonnen. 

8. Hast du von Bochum schon mehr als das Vonovia Ruhrstadion gesehen? Was für einen Eindruck hast du von der Stadt?

Die ersten Wochen waren sehr arbeits- und ereignisreich, sodass ich vor allem den Weg zwischen Kabine, Trainingsplatz und Hotel kennengelernt habe. Aber was ich bisher sagen kann: Der Bochumer Stadtpark gefällt mir wirklich sehr. 

9. Zur Belohnung nach einem Sieg: Altenberger Kräuterlikör oder Bochumer Moritz-Fiege-Pils?

Ganz klar Moritz Fiege, schmeckt mir sehr gut.

10. Wie kommt man eigentlich in die Hall of Fame von Manchester City?

Die damalige Zeit in Manchester (1994 – 1998, Anm. d. Red.) war sehr wild – in der Stadt, aber auch im Verein. Das war eine ganz andere Zeit: City war ein Arbeiterverein und nicht ein globaler Club wie heute. Die Leute wollten damals Spieler sehen, die alles auf dem Platz lassen. Das hat sehr gut zu meiner Spielweise gepasst. Dazu habe ich ein paar Tore gemacht, das hilft auch. Ich denke, die Fans haben es damals auch sehr wertgeschätzt, dass ich nach dem Abstieg von der Premier League in die Championship den Verein nicht verlassen habe, obwohl ich Angebote hatte. Fußballerisch und privat war es meine erfolgreichste Station. Dort ist mein ältester Sohn zur Welt gekommen. Auch mein engster Freundeskreis lebt in Manchester. 

11. Und wie willst du dauerhaft die Herzen der Bochumer*innen erobern?

Nichts geht über Siege. Mir ist unsere Verantwortung gegenüber dem Verein, den Fans und der Stadt bekannt. Ich werde alles dafür geben, den VfL in der 2. Bundesliga zu halten. Das ist unser oberstes Ziel. Die Mannschaft ist sehr oft ein Spiegelbild des Trainers. Also liegt es an mir, harte und ehrliche Arbeit zu leisten, um uns Schritt für Schritt zu verbessern. 

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