„Wir kommen zu euch.“ Das verspricht das Bochumer Theater Liberi, indem es eigene Interpretationen von bekannten Märchen im gesamten deutschsprachigen Raum präsentiert – vom renommierten Großen Festspielhaus in Salzburg über den RuhrCongress in Bochum bis hin zu kleineren Bühnen in der Provinz. In Bochum gibt es die nächste Aufführung am 14. Januar.
Die Idee entstand durch den Inhaber Lars Arend und seine persönlichen Kontakte in der Bochumer Theaterszene. Darauf folgte 2008 die Gründung des Theaters Liberi. Zu der Zielgruppe gehören vor allem Familien mit Kindern ab vier Jahren. Da für diese eine längere Reise aber häufig kostenaufwendig und anstrengend ist, war es von Anfang an die Idee, auf einen festen Spielort zu verzichten und stattdessen Touren durch Deutschland, Österreich, die Schweiz, Liechtenstein und Luxemburg zu planen. Das Theater kümmert sich dabei „um Kunst und Vertrieb von A bis Z“. So finden jährlich von Oktober bis April 430 Aufführungen statt, die von verschiedenen Ensembles gespielt werden. Die Inszenierungen des Theaters Liberi konnten mittlerweile schon über anderthalb Millionen Menschen begeistern. Sitz des Unternehmens mit knapp hundert Mitarbeitenden ist in Bochum, der Heimat des Inhabers. Produktion und Organisation sowie die Proben erfolgen von hier aus. „Wir holen Kultur-Menschen nach Bochum“, so Arend.
Zum Repertoire gehören unter anderem das „Dschungelbuch“, „Die Schöne und das Biest“, „Aladin“ und besonders aktuell die „Schneekönigin“, deren Erstaufführung im September 2023 stattfand. Das Genre des Märchens wurde dabei bewusst ausgewählt. Das liege, laut Lars Arend, am hohen künstlerischen Anspruch des Theaters. Märchen seien frei zur Bearbeitung, was eine so offene Interpretation erst möglich macht. Zu Beginn einer neuen Inszenierung gehen die Autoren von dem „Grundmärchen“ aus und entwickeln daraus meist ihre ganz eigene Geschichte, in der zum Beispiel neue Charaktere auftreten können. Sie wollen häufig auch bewusst mit den klassischen Vorstellungen brechen. Dabei soll eine Geschichte entstehen, die möglichst zeitlos erzählt wird und dessen Werte sich an ein Publikum aus 2024 richten. So handelt es sich in ihrer Version der Schneekönigin zum Beispiel nicht um die bekannte kaltherzige Königin, sondern vielmehr um einen einsamen Menschen, der einen Freund sucht. Dabei werden auch wichtige Aspekte wie Mobbing thematisiert.
Die „inhaltlich gefütterte Gesamtproduktion mit einer intensiven Zusammenarbeit der Gewerke“, bestehend aus unter anderem Musik und Bühnenbild, macht die Konzeptionen des Theaters Liberi, laut der künstlerischen Produktionsleitung Jana Flaccus, so besonders. Kreative Eigenheiten finden sich nicht nur in der Interpretation der Geschichte selbst, sondern zum Beispiel auch in der musikalischen Inszenierung. Es handle sich dabei nicht um klassische Kindermusik. Vielmehr sollen die Hörgewohnheiten des Publikums durch genreübergreifende Stücke aus dem Jazz-, Funk-, Soul- und Swing-Bereich erweitert werden. Zum Teil lassen sich sogar Anlehnungen an Punk und Grunge, jeweils angepasst an den jeweiligen Charakter der Geschichte, finden. Darüber hinaus trägt eine aufwendige Lichtgestaltung zur eigenen Handschrift des Theaters bei. „Auch über dieses Mittel werde viel erzählt“, so Arend.
Das Theater Liberi kommt mit ihrer Interpretation der Schneekönigin auch nach Bochum. Besucher können sich auf eine Aufführung mit „hohem Entertainmentfaktor“ und einer „Fantasiewelt mit besonders bunten und detaillierten Kostümen“ freuen. Am 14. Januar gibt es das Märchen also neu interpretiert vor unserer Haustür, im RuhrCongress Bochum.
Dieser Artikel ist in der BOMA-Ausgabe Januar 2024 erschienen.
Theater Liberi
Essener Str. 203
44793 Bochum
www.theater-liberi.de
