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Bochums „BUNDES-BERTI“

Berthold Weishof ist Co-Trainer der deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Wenn auf Bochums Fußballplätzen vom „Bundes-Berti“ die Rede ist, denkt keiner an Berti Vogts – sondern an Berthold Weishof. Und wer ihn kennt, weiß: Der Vergleich ist gar nicht so abwegig. Denn auch dieser Berti hat den Fußball zu seinem Lebensmittelpunkt gemacht und ist bis zum Nationaltrainer aufgestiegen. Nur dass er dabei fast nichts hört. Weishof hat in Bochum das Fußballspielen gelernt und sich später als Jugendtrainer einen Namen gemacht, unter anderem in Linden, Weitmar und Hordel. Von hier aus begann auch eine Karriere, die weit über die Stadtgrenzen hinausführen sollte: bis in die Nationalmannschaft der Gehörlosen und zuletzt im Mai aufs Podium der U23-Weltmeisterschaft.

Bertis Geschichte beginnt als Kleinkind. Mit zweieinhalb Jahren führte ein zu starkes Antibiotikum dazu, dass er seinen Hörsinn fast vollständig verlor. „Ich bin damit aufgewachsen, kenne es nicht anders“, sagt er. Was für viele ein Einschnitt gewesen wäre, wurde für ihn ein Antrieb. Weishof entwickelte eine besondere Wahrnehmung für Bewegungen, für Körpersprache, für das Spiel ohne Worte: Fußball mit den Augen.

Weishof spielte bei der SG Bochum-Süd, später in der U19 der SG Wattenscheid 09, unter anderem an der Seite des späteren VfL-Profis Yildiray Bastürk. Im Seniorenbereich schaffte er es bis in die Verbandsliga, als ihn ein Mittelfußbruch stoppte. Parallel dazu schrieb er im Gehörlosen-Fußball Geschichte: dreimal Deutscher Meister und einmal ostdeutscher Meister als Spieler, mehrfach NRW-Meister, dazu Hallentitel. Anschließend ging die Karriere als Trainer weiter mit den Höhepunkten Deutsche Meisterschaft 2018, EM-Silber 2019, Halbfinale bei den Deaflympics 2022 – und jetzt Bronze bei der U23-WM.

Eigentlich wollte er nie Trainer werden. „Aber ich war als Spieler schon einer, der den Mund aufgemacht hat“, sagt er. Von 2019 bis 2025 war Weishof Co-Trainer der A-Nationalmannschaft der Gehörlosen. Anfang 2025 schien das Kapitel beendet. Umstrukturierung, frischer Wind, neue Besetzung, so läuft es im Fußball. „Und dann kam der Anruf, ich sei nicht wegzudenken. Da habe ich nicht lange überlegt.“ Weishof sollte bleiben als Co-Trainer der U21/U23. Seit April 2025 ist er offiziell in dieser Rolle. Seine Aufgaben: Training planen und leiten, Videoanalysen erstellen, Spieler in ganz Deutschland beobachten und Abstimmung mit dem Bundestrainer.

Die jüngste Belohnung folgte bei der U23-Weltmeisterschaft in Serbien. Die Vorbereitung war holprig: Viele Absagen wegen Abitur, Ausbildung, Prüfungen. Der Kader jung, einige erst 17 Jahre alt. Und trotzdem formte das Trainerteam eine Einheit. Nur ein Spiel ging verloren: das Halbfinale gegen die Türkei, 0:1. Im Spiel um Platz drei folgte ein 3:1 gegen England und damit Bronze. „Unbeschreiblich“, so Weishof: „Selbst mir flossen die Tränen. Freude pur.“

Im Gehörlosen-Fußball sind Hörgeräte im Spiel nicht erlaubt. Kommuniziert wird in Gebärdensprache, über Lippenlesen, Mimik und Gestik. Für Weishof ist das Alltag. Auch bei seinem aktuellen Verein, dem FC Roj Dortmund, weiß jeder um seine Hörbehinde rung. „Die Spieler gucken mich an, wenn sie mit mir sprechen, das läuft problemlos. Und wenn ich mal etwas falsch verstehe, lachen wir zusammen.“ Der Unterschied zwischen hörendem und Gehörlosen-Fußball? Für ihn gering. „Die Hauptsache ist doch, dass die Bälle ankommen und man sich für das Team einsetzt.“ Übrigens konnte Berti auch in Dortmund am Saisonende feiern: Meisterschaft, Westfalenliga-Aufstieg und Pokalsieg.

Die nächsten Pläne stehen bereits. Die kom mende U23-WM soll in Leipzig stattfinden. Beim Heimturnier soll es vielleicht auch „etwas mehr als Bronze“ werden. Bochums „Bundes-Berti“ – einer, der nicht laut sein muss, um gehört zu werden.

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