An einem der höchsten Punkte Bochums führen die sechs Bienenvölker des Bochumer Imkers Jörg Heuer ein fantastisches Stiepeler Dorfleben. Eingebettet in eine wunderschöne Gartenanlage mit vielen Obstbäumen können sie das wahrhaftig „süße“ Leben genießen. Und fleißig sind sie dabei auch noch, denn jedes Volk produziert pro Jahr etwa 30 bis 40 Kilogramm Honig.
Angefangen hat alles vor acht Jahren, als die Schwester von Jörg Heuer, die bereits seit über 20 Jahren imkert, eigentlich nur einen ihrer Bienenstöcke in Stiepel aufstellen wollte. Damit weckte sie allerdings die Neugier ihres Bruders, der schließlich im Jahr 2019 einen intensiven Imkerkurs besuchte, um die Theorie und Praxis rund um die Bienen und ihr süßes Produkt zu erlernen. Mittlerweile hat Jörg Heuer sechs Bienenstöcke im eigenen Garten stehen, dazu einen beim Nachbarn und einen bei seiner Schwester in Hattingen. Alle Imker*innen sind übrigens in Imkervereinen organisiert und müssen ihre Bienenvölker beim Veterinäramt anmelden. Obwohl er mit acht Bienenvölkern immer noch als Hobbyimker gilt (erst ab 20 Völkern wäre er gemäß der Statuten professioneller Imker), kann er die rund 300 Kilogramm Honig, die seine Bienen pro Jahr produzieren, nicht ausschließlich selbst verzehren oder an Freunde verschenken. Seit ein paar Monaten kooperiert er daher mit Bochum Marketing, sodass sein Honig auch in der Touristinfo erworben werden kann.
Die Honigernte erfolgt zweimal pro Jahr. Die Frühlingsernte findet im Mai statt und die Sommerernte meist im Juli. Die Honige haben jeweils unterschiedliche Eigenschaften: Während der Frühjahrshonig einen hohen Fruktoseanteil hat und fester ist, enthält der Sommerhonig mehr Glukose, was ihn flüssiger macht. Bei der Honigernte werden die Rahmen aus dem Honigraum in eine Edelstahlschleuder eingespannt, die von Hand bedient wird. Der Honig wird durch die Zentrifugalkraft an den Rand geschleudert und läuft nach unten, wo er über einen Hahn entnommen wird. Man könnte den Honig sofort essen, aber er wird noch zweimal gefiltert, dann etwas stehengelassen, weichgerührt und anschließend abgefüllt, um die perfekte Konsistenz zu erhalten. Der Honigraum ist das „Penthouse“ des Bienenstocks, also die oberste Etage. Darunter befinden sich zwei Bruträume, in denen auch die Königin sowie die Drohnen leben, deren einzige Aufgabe es ist, die Königin zu befruchten. Damit nur die Arbeiterinnen Zugang zum Honigraum haben, wird dieser mit einem Gitter vom Brutraum abgetrennt, durch das Königin und Drohnen nicht hindurchpassen. In jedem Raum sind elf Rahmen gespannt mit vorgefertigten Sechseckplatten aus Bienenwachs. Diese dienen als Schablone für die Brut und auch den Honig. Die Bienenwachswaben müssen alle drei Jahre ausgetauscht werden. Nach einer Reinigung kann das Wachs eingeschmolzen und zu neuen Waben gepresst werden.
Die Dynamik eines Bienenvolks ist faszinierend. Im Frühling legt die Bienenkönigin etwa 2000 Eier am Tag. Durch diese hohe Eierproduktion wächst das Bienenvolk von etwa 10 000 bis 12 000 Bienen im Winter auf etwa 40 000 im Sommer an. Für die neu geschlüpften Bienen bedeutet die Trachtzeit ab März puren Stress, denn sie müssen Honig produzieren, um im Winter Nahrung zu haben. Arbeiterinnen leben im Sommer nur etwa sechs bis acht Wochen, da sie sich buchstäblich zu Tode arbeiten. Im Winter leben sie länger, bis etwa zum Beginn der Trachtzeit, und ihre Aufgabe besteht darin, die Königin konstant auf 35 bis 36 Grad Celsius zu halten, damit diese fruchtbar bleibt. Im Winter wird den Bienen auch Sirup beigefüttert, da der Honig als Nahrungsquelle ja entnommen wird.
Die längste Lebensdauer im Bienenstaat hat selbstverständlich die Königin. Sie lebt etwa zwei bis vier Jahre und ihre Eierproduktion wird am Ende immer geringer. Die Arbeiterinnen entscheiden dann selbst, wann es an der Zeit ist, eine neue Königin zu zeugen, indem Sie einer Larve besonders viel Gelée Royale beimischen, damit diese zu einer Königin heranwachsen kann. Und da Königinnen selbstbestimmt sind, entscheidet die alte Königin, ob sie nach der Geburt ihrer Nachfolgerin bleibt oder den Bienenstock mit ungefähr der Hälfte ihrer Arbeiterinnen verlässt. Das nennt man dann „Ausschwärmen“, und die Imker*innen versuchen, das zu verhindern, indem sie die alte Königin aktiv in einen neuen Bienenstock umsetzen. Denn sind die Bienen erstmal ausgeschwärmt, kann man sie nur selten wieder einfangen.
Namen haben die Stiepeler Bienenköniginnen übrigens auch. Bei den Heuers sind sie nach Mitgliederinnen des niederländischen Königshauses benannt, da die Familie gerne in den Niederlanden Urlaub macht. Die erste war Königin Maxima, danach ging es mit Beatrix, Amalia, Alexia und Ariane weiter, wobei alle Nachfolgerinnen im Bienenstock dann genauso heißen. Lang lebe die Königin!
