Als Bochum sein 700-jähriges Bestehen feiert, entsteht eine literarische Idee: Ein Fortsetzungsroman, geschrieben von mehreren Autor*innen aus der Stadt. Kapitelweise wuchs eine Geschichte, geschrieben aus unterschiedlichen Perspektiven. Unter anderem schrieben Hans-Peter Gorlas und Corina Minzlaff mit und vertieften ihre Leidenschaft zum Schreiben. Beide veröffentlichten nun jeweils ihren ersten eigenen Roman. Nachdem Gorlas mit „Loslassen lernen (Dies ist kein Ratgeber)“ sein Debüt vorlegt, erschien nun ebenfalls Corina Minzlaffs Gegenwartsroman „Grünes Licht“. Zwei Bücher, zwei Themenfelder – und doch verbindet sie die Erfahrung, dass Schreiben in Bochum mehr als ein stilles Hobby ist.
„Die Veröffentlichung des Fortsetzungsromans hat mich nicht zum Schreiben gebracht, aber mir den ,Kick‘ gegeben, es mal bei einem Verlag zu probieren“, erzählt Gorlas. Seine Frau und seine Tochter haben ihn bestärkt, etwas Eigenes zu veröffentlichen. Am 3. Februar wurde sein Roman „Loslassen lernen (Dies ist kein Ratgeber)“ vom Novum Verlag herausgebracht und erzählt von einer Partnerschaft, die nach der Geburt der ersten Tochter in eine Krise gerät. Der krankhafte Beschützerdrang eines Vaters verbindet sich mit Alkohol und führtzunehmend zum Kontrollverlust. Trotz der tragischen Handlung bleibt Raum für leisen Humor. Zwei bis drei Jahre arbeitete Gorlas mit Unterbrechungen an dem 206-seitigen Roman. Explizite Botschaften wolle er nicht vermitteln. Wenn Leser Parallelen entdecken oder sich gut unterhalten fühlen, sei sein Ziel erreicht.
Minzlaff lebt seit 1982 in Bochum. „Mein Herz schlägt für Bochum“, sagt sie über ihre Wahlheimat. Die Arbeit am Fortsetzungsroman wird zu ihrer ersten Erfahrung als Autorin – und zu einem entscheidenden Moment. Als sie den Text später gedruckt sieht, wächst ein lange gehegter Wunsch: vor ihrem 50. Geburtstag einen eigenen Roman erschaffen. Es gelingt. Ihr Debüt „Grünes Licht“ erschien am 23. Februar im Mentoren-Media-Verlag und begleitet auf 259 Seiten die junge Frau Gesa nach einem schweren Verlust auf der Suche nach neuem Halt. Eine besondere Freundschaft zur 86-jährigen Therese sowie das Schreiben eines Tagebuchs helfen ihr durch Trauer und Zweifel. Als das Tagebuch verloren geht und Therese in ein Pflegeheim zieht, gerät ihr Leben erneut ins Wanken. Minzlaff thematisiert Abschied, Schuldgefühle und die Kraft kleiner Begegnungen. Rund eineinhalb Jahre arbeitete sie an der Fertigstellung. Aus einem Beitrag im 700-Jahre-Fortsetzungsroman wurde kein Abschluss, sondern es wurde der Beginn von eigenem literarischen Ausdruck der Kreativität und der Verarbeitung von augenscheinlich schweren Themen. Gorlas und Minzlaff zeigen, wie aus einem Stadtprojekt eigene Literatur entsteht: zwei Autoren, zwei Geschichten und neue Kapitel für Bochums lebendige Literaturszene. Die beiden Werke sind jeweils als Taschenbücher erhältlich.