Veranstaltung

Ausstellung Thomas Wachholz "one, two, three" RUTTKOWSKI;68, Schlossstr. 1A, 44795 Bochum

Ausstellung vom 5. Oktober bis 21. Dezember 2025 Ausstellungseröffnung: Sonntag, 5. Oktober 2025

Manchmal, da geschieht es, dass sich in der Beiläufigkeit eines Augenblicks die Dinge unseres Alltags verschieben – und sich in der stummen Bewegung ihrer Teile vor unseren Augen eine Form abzeichnet. Eine Form, die sich in ihrem Wandel jeder bewussten Kontrolle entzieht und anhand ihrer Transformation weit hinter die Grenzen unseres Verständnisses gewohnter Objekte weißt. In ihrer Veränderung verschmelzen ihre Elemente, berühren einander, brennen aus und verzehren sich, nur, um sich einander im nächsten Moment ihres Wandels in sanfter Anlehnung zu etwas Neuem zu verbinden. Versunken in ihre eigene Welt, zeugt ihre Verschiebung dabei von einem Leben hinter den Dingen – und gleichsam von einer aus dem Verborgenen sichtbar werdenden Narration, in deren skulpturalen Fragmenten sich die uns eigenen Empfindungen und Gefühle in den Beziehungen ihrer Formen spiegeln.

Unter dem Titel one, two, three, freut sich Ruttkowski;68 besonders Thomas Wachholz erste Einzelausstellung in Bochum anzukündigen, welche sich auf der Grundlage einer konzeptuellen Aneignung des Streichholzes und seiner Schachtel als künstlerisches Medium wie Motivgrundlage um die Bedeutung rhythmischer Abläufe und die Wirkung von Beziehungen lagert. Um eine spürbare Präsenz, die sich in Überlagerungen, in Reihungen und in Zwischenräumen sich begegnender Formen äußert – und anhand von übergroßen Streichhölzern die Strukturen menschlicher Relationen zum Gefüge skulpturaler Körper neu formuliert. Gleich einem Vexierbild wandelt sich in ihnen die formale Ordnung ihrer Bestandteile in ein Gegenbild unserer täglichen Erfahrungen, in welchem sich die Erlebbarkeit von Größenverhältnissen im Durchschreiten ihrer Körper spielerisch wandelt und Wachholz Skulpturen zum Gegenentwurf unsere Realität werden.

Entstanden auf der Grundlage eines Tricks, welcher die Verschmelzung zweier Streichhölzer an ihren Köpfen im Moment ihres Abbrennens – gleich einem Kuss – erzeugt, bezeichnen Wachholz Bronzeskulpturen dabei gleichzeitig auch auf ihre eigene Materialität. Oberflächliche Spuren, Kanten und Unebenheiten erweisen sich hier als Referenten einer anhand ihres Ausstellungsortes umso sichtbarer werdenden Industriekultur, vor deren Hintergrund sie zu plastischen Chiffren entwachsen, in welchen sich die rhythmische Leichtigkeit ihrer formalen Kompositionen um ein Mehrfaches multipliziert und der Massivität ihres Materials entgegenstellen.
Wie eine Aufzählung ihrer Formenpaare reihen sie dabei die Möglichkeiten ihrer Konstellationen aneinander, deren Bewegung ihre narrative Resonanz in den sie umgebenden Rhythmen der Malereien findet. Ähnlich einer Abfolge greifen ihre Spuren die tänzelnden Schritte der Skulpturen auf und balancieren die Sanftheit ihrer intimen Verbundenheit aus. Hier scheint sich die Schwere ihres Materials im Kuss der Formen aufzuheben und den Fokus ihrer Betrachtung erneut in das Dickicht ihrer Kompositionen zu verlagern, deren Teile sich gleich einer Zeichnung tastend in den Raum erstrecken.

Leise und wie die Taktung einer musikalischen Komposition, verbinden sie sich in der Auslotung ihrer formalen wie konzeptuellen Beziehung zu Werken Joseph Kosuth und Joel Shapiros mit den sie umgebenden Arbeiten Wachholz erneut: In Wiederholungen, in Stücken und in Sets, die in ihrem abrupten Wechsel Jazz Riffs gleichen – und ihr Thema wie eine Pause in der Abfolge one, two, three vorwergnehmen. Symbiotisch tänzeln die Formen von Wachholz Skulpturen dabei um ihre eigenen Achsen und bestimmen die Bezüge ihre Teile in der Dynamik des Raumes erneut. Im Echo eines stillgestellten Momentes, indem sie gleichwertig zu Zeichen und Spuren werden und die ironische Verbindung zwischen Referenten und Referenz anhand des Mediums der Skulptur erkunden.


Philipp Fernandes do Brito

Anmerkungen

  • Eintritt frei
  • Ersteller:

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