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Wandern durch den grünen Bochumer Süden

"Das Ruhrgebiet ist grau und dreckig" – von wegen! Wir zeigen euch wie grün Bochum wirklich ist.

„So viel Natur hier in Bochum!“, „So grün hatten wir uns das Ruhrgebiet aber nicht vorgestellt!“, „bla, bla, bla …“. Als Bochumerinnen können wir solche Sprüche manchmal nicht mehr hören! Wir wissen doch, wie schön es bei uns ist! Aber dennoch sind wir selbst fasziniert von der Natur direkt vor der eigenen Haustür, als wir zu unserer Wanderung durch den Bochumer Süden rund um Querenburg gestartet sind.

Los geht es an der U35-Haltestelle „Lennershof“. In weniger als einer Viertelstunde ist die Bahn vom Bochumer Hauptbahnhof aus hier. Nach einigen hundert Metern erreicht man die Ruhr-Uni, die Hochschule oder den Botanischen Garten. Alles drei lassen wir heute aber außen vor und biegen ab in den Kalwes-Wald, der über etwas versteckt liegende Treppen zu erreichen ist. Die Natur ist in den letzten Tagen explodiert, und der Wald erstrahlt in frischem Grün. Als erstes werden wir von einem Eichhörnchen begrüßt. An einem mystisch wirkenden Teich geht es zum Lottental vorbei an der ehemaligen Zeche Klosterbusch. Bis 1961 wurde hier Kohle gefördert und mittels einer Seilbahn weiter transportiert. Die Fundamente sind teilweise am Rande der Wegstrecke noch sichtbar. Die schönen alten Gebäude stehen heute seltsamerweise leer und werden scheinbar von der Natur zurückerobert. Im gegenüberliegenden Naturschutzgebiet Waldsiepen Hevener Straße erwartet uns dann das Highlight der Wanderung. Auf einer kleinen Lichtung schaut uns erstaunt ein Reh entgegen und verschwindet flink im Dickicht, als wir die Handys für ein Beweisbild zücken wollen.

Am Ende des Waldsiepen geht es über eine schöne Allee in Richtung Kemnader Stausee. Hier lassen wir den Blick weit schweifen über blühende Rapsfelder, Wälder und im Hintergrund auf einer Anhöhe die imposanten Gebäude der Ruhr-Uni. Ob man diese hübsch findet oder nicht, ist wohl Ansichtssache. Die Allee mündet in einen, eigentlich sehr schönen, Waldweg, der an manchen Stellen den Blick über den Kemnader See erhaschen lässt. Eigentlich… Kettensägen kreischen, ein kleiner Bagger ebnet den Weg – Baumfällarbeiten! Zum Glück können wir passieren und hoffen, dass der Weg so idyllisch bleibt, wie er vorher war! Während es rund um den Kemnader See mit Spaziergängern, Inlineskatern und Fahrradfahrern manchmal etwas wuselig ist, bietet dieser schöne Weg nicht nur sehr viel Ruhe (im Normalfall ohne Kettensägen!), sondern auch einen wunderschönen Blick über den See. Dieser Weg ist ein echter Geheimtipp! Wir haben ihn ganz für uns.

Am Kemnader See angekommen, fällt der Blick direkt auf den „Schlotbaron“. Hier gibt es sogenanntes „Smoking Barbecue“, im Rauch bei niedrigen Temperaturen langsam gegartes Fleisch. Ausprobiert haben wir es nicht, aber es sieht vielversprechend aus. Wir biegen ab zum Tretbootverleih, als die „MS Kemnade“ an der gegenüberliegenden Seite neben der „Schwalbe“ anlegt. Ein paar Selfies mit den Schwanentretbooten werden gemacht – leider bleibt heute keine Zeit, diese auszuprobieren. Beim nächsten Mal!

Wir setzen unsere Wanderung Richtung Ölbachtal fort. Der Weg ist hier deutlich breiter als auf dem Höhenweg, ist asphaltiert und daher auch für Radfahrer bestens geeignet. Vorbei am Hof Schulte-Overberg und einer kleinen Schleuse wandern wir leicht bergauf, immer den Ölbach zu unserer Rechten. An einer der „1.000 Bänke für Bochum“ machen wir eine kleine Rast und erreichen dann Haus Heven, ein Gut aus dem elften Jahrhundert mit hübschen rot-gelben Fensterläden und einem verwunschenen Garten. Pferde grasen auf der Weide. Wo der Schattbach in den Ölbach mündet, biegen wir ab und staunen über die etwas eigene Kulisse: Am Ende des Feldes erahnt man schon das herrschaftliche Rittergut Haus Lear, dies wird zur Linken von den bunten Hochhäusern der Hustadt und zur Rechten von der Baustelle Mark 51⁰7 umrahmt. So geht Ruhrgebietsromantik. Das Rittergut aus dem Jahr 904 ist der älteste noch erhaltene Profanbau im mittleren Ruhrgebiet. Über die Jahre ist das Gut natürlich immer weiter ausgebaut worden. Heute dienen die Säle als beliebte Hochzeitslocation mit Übernachtungsmöglichkeit.

Das Rittergut lassen wir zu unserer Rechten liegen und biegen ab in das Laerholz, aber nicht ohne vorher einen Blick auf die Streuobstwiese der Stadt Bochum zu werfen, die vom NABU betreut wird. Hier stehen Obstbäume, Bienenstöcke und Insektenhotels. An einem Zaun ist ein Korb angebracht. Zur Erntezeit werden hier Äpfel hineingelegt und jeder kann sich bedienen. Schöne Idee! Im Laerholz stoßen wir auf einen wunderschön im Tal gelegenen Spielplatz. Hier möchte man glatt noch mal Kind sein!

Am Ende des Laerholzes und fast am Ende unserer Wanderung erwartet uns ein kleiner Kulturschock: Nach viel Grün und Natur stehen wir vor den Hochhäusern des Uni-Centers. Das Uni-Center ist ein kleines Einkaufszentrum neben der Ruhr-Uni, welches schon bessere Tage erlebt hat. Aber es tummeln sich viele, vor allem junge, Leute hier und verweilen auf Bänken oder an den Tischen der Imbisse. Eine nette frühsommerliche Atmosphäre! Im Uni-Center gibt es auch einen Geheimtipp, den man hier vielleicht nicht vermuten würde: Das kleine vegane Restaurant „Be well“. Wir sind dankbar für einen Platz zum Sitzen und einen Cappuccino mit Sojamilch. Außerdem gibt es einen sensationellen Zitronenkuchen mit veganer Sahne. Zum Reinlegen! Ein sehr schöner Abschluss unserer gelungenen Wanderung! Von hier aus sind es nur noch ein paar wenige Meter über den Buscheyplatz und die Overbergstraße entlang bis zur U-Bahn-Station „Lennershof, wo wir gestartet sind. Die Overbergstraße ist von Kirschbäumen gesäumt, die leider schon so gut wie verblüht sind, sonst sicherlich ein Traum in Pink!

Wer Interesse hat, die Stecke nachzuwandern: Ihr findet sie auf der Bochum-Tourismus-Seite in der App Komoot.

verfasst von Monic und Ines

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