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Schauspielhaus weiht neuen Spielort ein

„WeltHütte“ eröffnet am 2. Mai mit zwei Online-Premieren

Die WeltHütte ist ein neuer Spielort im Schauspielhaus Bochum. Sie steht im Mittleren Foyer des Schauspielhauses und ist somit auch von außen durch die große Fensterfront gut sichtbar. Ein kalkulierter Fremdkörper im legendären 50er-Jahre-Design des Theaters: eine Blechhütte, die einerseits Schutzraum und Zuhause sein kann als auch Assoziationen weckt an unmenschliche Orte wie Hangar, Scheunen und Lager. „WeltHütte“ bedeutet: Dorf trifft Welt, Heimat trifft Fremde, Schutz trifft Unsicherheit, „ich“ trifft „ihr“, Isolation trifft Freiheit.

Das Gebäude wurde ursprünglich von der Künstlerin Anna Viebrock für eine Inszenierung der Ruhrtriennale entworfen („Universe Incomplete“, 2018, Jahrhunderthalle Bochum). Im Schauspielhaus sollen rund um das Gebäude Aufführungen entstehen, die eine besondere Nähe zwischen Publikum und Spieler*innen ermöglichen – sobald es das Corona-Infektionsgeschehen wieder zulässt. In der Zwischenzeit werden die Inszenierungen als adaptierte Filmversionen online zu sehen sein.

Den Auftakt machen zwei Inszenierungen, die – inspiriert vom Ort der WeltHütte – hinter die bürgerliche Fassade, gewissermaßen einen Blick „unter deutsche Dächer“ werfen und dort sowohl auf neue Konfliktfelder stoßen als auch auf utopische gesellschaftliche Visionen:

„LIEBE/ Eine argumentative Übung“ von der israelischen Autorin Sivan Ben Yishai ist ein modernes, virtuoses Beziehungsdrama, in dem wir bei Comic-Held Popeye durchs Schlüsselloch blicken – aus der Perspektive seiner oft übersehenen Freundin Olivia Öl. Sie wird zur Hauptfigur. Mit ihr lernen wir das Paar bis in seine intimsten Begegnungen kennen. Tabulos und mit viel Humor schafft das Stück einen Reflexionsraum für Männer und Frauen, der nur scheinbar eine private Geschichte erzählt. Inszeniert wird das Stück von Zita Gustav Wende als Monolog für die Schauspielerin Jele Brückner. Mehr Informationen zu dem Stück.

In „Viel gut essen“ lässt die mehrfach ausgezeichnete Autorin Sibylle Berg einen modernen Jedermann über den Zustand unserer Gesellschaft schimpfen, klagen, räsonieren. Ein Mann steht am heimischen Herd, und während er aus feinsten Zutaten ein mehrgängiges Menü kocht, lässt er seinen Gedanken freien Lauf. Weiß, heterosexuell, gut bürgerlich und gesund, hat er beruflich nicht ganz das Erwartete erreicht, nicht ganz die erhoffte Familie gegründet, und nun wird auch noch sein Wohnviertel gentrifiziert. Das „feel good“-Essen gerät zu einem explosiven Cocktail aus Selbstmitleid und Wut, denn es braut sich etwas zusammen im Staate Deutschland. Regie führt Anna Stiepani, es spielt Bernd Rademacher. Mehr Informationen zu dem Stück.

Beide Filmadaptionen der Inszenierungen werden am 2. Mai 2021 ab 18 Uhr nacheinander erstmals online gestreamt. Am Premierenabend wird es jeweils nach den Filmen kurze Nachgespräche mit den Regisseurinnen und Spieler*innen geben, an denen sich das Publikum per Live-Chat beteiligen kann. Nach dem Premierentag sind die Filme bis zum 31. Mai 2021 als Videos on demand im Online-Spielplan des Schauspielhaus Bochum zu sehen. Der Vorverkauf für die Doppelpremiere in der neuen WeltHütte beginnt am 23. April über die Website des Theaters. Dabei haben die Zuschauer*innen die Möglichkeit, einen individuellen und selbstbestimmten Eintritt zu bezahlen, der vom „Low-Budget-Ticket“ für 5 Euro über das reguläre Ticket für 15 Euro bis zum „Ermöglicher-Ticket“ für 50 Euro reicht – für diejenigen, die den Kartenkauf mit einer Spende verbinden möchten.

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