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Immersives Tanztheater im Planetarium

Utopie wird zur Wirklichkeit

Das Planetarium Bochum, Castroper Straße 67, zeigt die Uraufführungsserie der neuen Tanztheater-Produktion „Mensch und Kunstfigur im Kugeltheater“ vom Theater der Klänge aus Düsseldorf an vier Terminen: Donnerstag, 2. September, Freitag, 3. September, 20 Uhr, Samstag, 4. September, 20 Uhr und Sonntag, 5. September, 19 Uhr. Karten kosten 25 Euro, ermäßigt 13 Euro. Sie können im Internet unter www.planetarium-bochum.de oder zum Ortstarif bei der Ticket-Hotline 02 21 / 28 02 14 erworben sowie per Mail an info(at)planetarium-bochum.de reserviert werden.

Nachdem die ursprünglich für Januar 2021 geplante Premiere aufgrund der Corona-Pandemie bereits zwei Mal verschoben werden musste, kann sie nun endlich stattfinden. Zwei Tänzerinnen, ein Tänzer, eine Choreografin, ein Komponist, ein Videodesigner, eine Kostümbildnerin und ein Regisseur sind das Ensemble, welches neu kreierte Tänze, Full-Dome-Live-Videos und elektronische Musik im immersiven Spatial-Audio auf die Bühne bringt und so ein „Live-Full-Dome-Spektakel“ im Planetarium Bochum entstehen lässt. Möglich macht das auch die neue Technik des Planetariums, die erst seit wenigen Monaten im Einsatz ist.

Das Theater der Klänge folgt mit seiner neuen Produktion den Theaterutopien der 1920er Jahren. Damals stellten sich Künstler neue Theaterräume vor, in denen zukünftig neue Theaterformen zu sehen sein sollten, die mit dem „alten“ Begriff von Theater kaum noch etwas zu tun hatten. Nie gesehene technische Aufbauten, rotierende Bühnen oder zahlreiche filmische Projektionen und Lautsprecherbeschallungen sollten ein Totaltheater ermöglichen, wie es die Welt zuvor noch nie gesehen hatte. Die meisten dieser Utopien wurden nie verwirklicht. Vor allem, da diese Theater nie gebaut wurden und die Technik der Zeit die Visionen nicht umsetzen konnte. 100 Jahre später sieht das anders aus: Theater findet nicht mehr nur in Theatergebäuden, sondern auch in ungenutzten Fabrikhallen, Zirkuszelten oder anderen architektonisch besonderen Orten statt. Ein solcher Ort ist auch das Planetarium: In den 1920er Jahren in Jena entstanden, hat es sich insbesondere in den letzten Jahren technisch dermaßen erweitert, dass heute Ganz-Kuppel-Videobespielungen mit komplett einhüllendem Klang möglich sind. Die Theaterwelt hat diese Orte als Spielmöglichkeiten bisher kaum genutzt, wiewohl solche technisch bestens ausgestatteten Häuser geradezu danach verlangen, auch live bespielt zu werden. „Wir freuen uns, mit diesen Aufführungen zu zeigen, was im Planetarium im Bereich der innovativen Live-Kultur möglich ist,“ erklärt Planetariumsleiterin Susanne Hüttemeister.

Der Künstler Andor Weininger hat in der 1920er Jahren am Bauhaus ein solches Kugeltheater skizziert. Ebenfalls am Bauhaus tätig war seinerzeit der Maler/Bildhauer und Theatermacher Oskar Schlemmer, der zur gleichen Zeit eine neue und umfassende Sichtweise auf den Menschen für seinen Unterricht entwarf. Beide Arbeiten, das „Kugeltheater“ und das Kompendium „Der Mensch“ blieben Utopie, was eine Umsetzung für Theater angeht.

Das Düsseldorfer Theater der Klänge nutzt die Möglichkeit, eine Aufführung für das Planetarium Bochum zu erarbeiten, um beide Utopien in gewandelter Form nun Realität werden zu lassen. Es macht die Theaterideen der Bauhaus-Moderne 100 Jahre später für ein Publikum von heute im Planetarium erfahrbar.  Im Zentrum dieser „Full-Dome-Show“ bleibt aber der live agierende Mensch in Form von vier Tänzern auf einer Bühne, die sowohl die immersive Musik, als eben auch den Live-Videooutput füttern und durch Bewegungen steuern.

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