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Graf-Engelbert-Statue an neuem Standort

Oberbürgermeister Thomas Eiskirch enthüllt Bronzefigur vor der Propsteikirche

„Wir hatten gar nicht mit so vielen Zuschauerinnen und Zuschauern gerechnet – ich bin sehr begeistert. Das zeigt, wie wichtig der Engelbert den Bochumerinnen und Bochumern ist.“ Ein halbes Jahr war sie verschwunden, nun ist die Graf-Engelbert-Statue wieder in Bochum angekommen. Am Samstag, 4. Juli, enthüllte Oberbürgermeister Thomas Eiskirch die Bronzefigur an ihrem neuen Standort vor der Propsteikirche. Rund 150 Menschen waren bei der Enthüllung dabei.

Die Statue war zuvor in einer Duisburger Werkstatt restauriert und verschönert worden. Ursprünglich hatte die 1964 vom Gelsenkirchener Künstler Ferdinand Spindel entworfene Statue bereits Mitte März wieder in Bochum aufgestellt sein sollen – das Corona-Virus durchkreuzte auch diesen Plan. Das winzige Virus zwang auch den kampferprobten Grafen gewissermaßen in Quarantäne und statt seinen neuen Standort vor der Propsteikirche zu beziehen, war er zum Ausharren in Duisburg verdammt. Etwas, das ihm zu Lebzeiten so gar nicht gelegen hatte, denn zeitlebens war der Adelige stets in Bewegung, besaß er doch große Ländereien an Rhein und Ruhr, an deren Grenzen er sich darüberhinaus auch noch sein halbes Leben lang Gefechte und Scharmützel mit seinen Nachbarn lieferte. Graf Engelbert III. von der Mark (um 1330 bis 1391), Herr über Burg Blankenstein, war der historischen Überlieferung zufolge ein durchaus kriegerischer, nach Ausweitung seiner Territorien trachtender Mann.

An seinem neuen Standort wird der Graf nun auch endlich im Blick haben, was alljährlich zu seinen Ehren in Bochum passiert: den Auszug nach Harpen, um die einst von Engelbert III. den Bochumer Junggesellen gestiftete Eiche in die Stadt zu holen. Die linke Hand am Schwertknauf, wird der Graf dann an jedem letzten Wochenende im April auf jene herabblicken, deren Vorfahren ihm der Überlieferung nach einst eine geraubte Herde Vieh zurückholten. Zur Belohnung dürfen die Bochumer seit dieser Zeit das Holz der Eiche zu Geld machen und davon ein Fest feiern – der Ursprung des Bochumer Maiabendfests.

Engelbert III, Graf von der Mark, Marschall von Westfalen, genannt „Der Streitbare“

Der Stifter des Bochumer Maiabendfestes hatte ein recht bewegtes und turbulentes Leben. Seine Geburt wird um das Jahr 1330/1333 datiert, als Sohn des Grafen Adolf II. von der Mark, Enkel von Engelbert II. von der Mark, dem Stadtgründer Bochums.

Den Grafentitel erbt er 1347, noch minderjährig. Die Grafschaft bestand damals grob skizziert aus den Gebieten der heutigen Städte Bochum, Hamm, Hagen, Castrop-Rauxel, dem Kreis Unna, dem Ennepe-Ruhr-Kreis, dem Märkischen Kreis und Teilen des Oberbergischen Landes und des Kreises Soest.

Engelbert hatte einen großen Expansionsdrang. Seine unmittelbaren Nachbarn, die Grafschaften Arnsberg, Berg, Kleve und auch die Erzbischöfe von Köln waren Verbündete und teilweise sogar familiär verflochtene Herrscher. Er reiste nach Palästina und kämpfte später an der Seite des deutschen Ritterordens in Litauen. Stritt sich irgendwer, mische Engelbert mit. An zig Fehden war er beteiligt, und das auch nicht unerfolgreich. Ständig gab es irgendwelche Erbstreitigkeiten zwischen den Adelshäusern und nicht selten ergriff Engelbert Partei, um nach Beendigung des Streites sein Land, seine Macht oder sein Ansehen zu vergrößern.

1366 wurde er vom Kölner Erzbischof, seinem Onkel (als Kölner Erzbischof ebenfalls als Engelbert III. bezeichnet), zum Marschall von Westfalen ernannt. Das Marschallamt beinhaltete das Stellvertreteramt des Erzbischofs, der gleichzeitig auch Herzog von Westfalen war. Somit wurde unser Engelbert zum zweitmächtigsten Mann zwischen Rhein und Weser. Seine Aufgabe war, den Landfrieden zu erhalten, was ihn bestimmt nicht ganz leichtfiel. Seine Amtszeit endete mit der Amtszeit seines Onkels direkt zwei Jahre später.

Mit dem später nachfolgenden Erzbischof Friedrich von Saarwerden entwickelte sich ein zwiegespaltenes Verhältnis. Mal bekämpften die beiden sich gegenseitig und in Zeiten des Friedens fingen die beiden gemeinsam Streit mit Anderen an: so geschehen im Jahre 1388 bei der Dortmunder Fehde, der Ursprung unseres Maiabendfestes.

Seine Expansionspläne konnte Engelbert jedoch nicht an seine direkten Nachkommen weitergeben. 1354 heiratete er Richardis von Jülich, die jedoch bereit sechs Jahre später starb. Mit ihr hatte er eine Tochter, Margarete. 1381 heiratete er Elisabeth von Sponheim und Vianden. Da zu dieser Zeit nur männliche Nachkommen als Erbe des Grafentitels in Frage kamen, ging nach seinem Tode 1391 die Grafschaft an seinen jüngeren Bruder Dittrich. In den darauffolgenden Jahren ging der Grafentitel auf mehrere Brüder des gleichen Adelshauses, um sich dann später mit der Grafschaft Kleve zu vereinigen.

Ein Denkmal für den Streitbaren

Auf Grund der Heldentaten der Bochumer Junggesellen während der Dortmunder Fehde stiftete Graf Engelbert das Bochumer Maiabendfest. 1910 wurde in Bochum das erste Engelbert-Denkmal inklusive Brunnen eingeweiht. Der Bochumer Bürgerschützenverein hatte dieses zu finanzieren, die Stadt stellte das Grundstück an der heutigen Kreuzstraße zur Verfügung.

Der Bürgerschützenverein organisierte das alljährliche Schützenfest und das Maiabendfest. Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Denkmal zusammen mit anderen Denkmälern wie dem Kuhhirten für Munitionsproduktionszwecke eingeschmolzen.

Nach dem Krieg gründete sich 1948 die Bochumer Maiabendgesellschaft 1388 e.V. als Rechtsnachfolger des Bürgerschützenvereins.  Eine ihrer ersten Aufgaben neben der Durchführung des Maiabendfestes war es, sich für die Wiedereinrichtung des Denkmales einzusetzen. 1952 wurde innerhalb der Gesellschaft ein Denkmalausschuss gegründet. Die ursprüngliche Idee, das Denkmal direkt vor dem Rathaus zu platzieren, wurde seitens der Stadt Bochum abgelehnt.

Es sollte zehn  Jahre dauern, bis man sich auf einen Entwurf und einen Standort geeinigt hatte: Eine nach modernen (1962!) Prinzipien gestaltete Vorstellung eines mittelalterlichen Grafen, der nicht nur den Stifter des Bochumer Maiabendfestes, sondern auch dessen Großvater, den Stadtgründer, symbolisieren soll. Der Essener Bildhauer Ferdinand Spindel erschuf den uns heut noch bekannten Engelbert. Am 29. April 1964 wurde er vom ersten Vorsitzenden Dr. Hermann Menne, dem Oberbürgermeister Fritz Heinemann und dem Junggesellenhauptmann Heinrich Herbsthoff unter Beteiligung der Maiabendgesellschaft und der Bochumer Bürger zum 576. Bochumer Maiabendfest bei recht schlechtem Wetter eingeweiht.

Jahrzehntelang war der Engelbertbrunnen der Treffpunkt für einen geselligen Abend im Bermude3eck. Hier traf man sich und schmiedete Pläne, wo der Abend denn beginnen sollte. Gegenüber dem Supermarkt, inmitten einen Brunnenbeckens, zentral auf der Fläche zwischen Kino und Kneipen wachte Engelbert unbeeindruckt von den Taubengeschwadern über die feiernden Gäste in Bochums Amüsierviertel.

Bis zur Umgestaltung des Platzes war dies der Fall. Im Zuge der Platzerneuerung wurde er in die Ecke gestellt, zwar näher an den Standort von 1910, aber aus dem Blickfeld der Bürger. Mit dem Verschwinden des U-Bahn-Haltestellen-Namens „Engelbert-Brunnen“ drohte das Denkmal in die Unbedeutsamkeit zu versinken. Zwar marschieren die Maischützen einige Male im Jahr an ihm vorbei, aber sonst war rund um den Stifter des Maiabendfestes nicht viel los.

Daher hat sich die Maiabendgesellschaft bemüht, den Standort in die „Altstadt“ von Bochum zu verlegen. Mit „Altstadt“ ist der ursprüngliche Kern der Stadt, rum um die Propsteikirche und das St. Elisabeth-Hospital, gemeint. Dank der Bereitschaft der Stadt Bochum und der Sparkassen Stiftung, dieses Vorhaben zu unterstützen, ist dieses in diesem Jahr geglückt.

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