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DBM Bochum komplettiert neue Dauerausstellung:

Vier Rundgänge vermitteln nun die Welten des Bergbaus

Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum befand sich zwischen 2016 und 2019 im Wandel: Mit der Sanierung des Museums wurde auch die Dauerausstellung neu konzipiert. Der Umbau der Museumsräume und die Umsetzung der neuen Dauerausstellung sind nun erfolgreich abgeschlossen. Vier Rundgänge führen ab Mitte Juli durch das Haus: Steinkohle, Bergbau, Bodenschätze und Kunst vermitteln damit zukünftig die Bandbreite des Leibniz-Forschungsmuseums für Georessourcen. Zur Eröffnung lädt das Museum am 13. und 14. Juli zu einem Museumsfest bei freiem Eintritt ein.

Die Rahmenbedingungen waren klar gesteckt: gut drei Jahre Zeit, rund 350.000 Objekte, die das Haus verlassen und eingelagert werden mussten, die Entwicklung und Umsetzung einer neuen Dauerausstellung mit vier neuen Rundgängen, die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes im Bestand, die Umsetzung in zwei Bauabschnitten, die Aufrechterhaltung des Museumsbetriebs und ein klar definierter Kostenrahmen von 34 Millionen Euro. Im Juli 2019 sind diese Ziele nun erreicht worden: Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum startet am 15. Juli 2019 mit seiner neuen Dauerausstellung in den Regelbetrieb. Vorher lädt das Museum die Bürgerinnen und Bürger des Ruhrgebiets am 13. und 14. Juli 2019 zu einem Museumsfest mit Führungen und Kinderaktionen, Musik und Comedy, einem Mitsing-Event sowie Präsentationen der Abteilung Forschung: Zwei Tage lang steht jeweils zwischen 10 und 17 Uhr die neue Dauerausstellung des Leibniz-Forschungsmuseums für Georessourcen im Mittelpunkt. Der Eintritt an beiden Tagen ist frei.

„Wir haben uns und unser Haus in den vergangenen drei Jahren neu kennengelernt und befinden uns jetzt in einem Zustand freudiger Erwartung, die neue Dauerausstellung gemeinsam mit unseren Besucherinnen und Besuchern zu entdecken und auszuprobieren. Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum will mit den vier Rundgängen zeigen, wie umfassend das Thema Bergbau die Menschheit begleitet hat und weiterhin begleiten wird. Wir laden dazu ein, uns als Haus zwischen Tradition und Moderne zu entdecken, mit uns Geschichte zu verstehen und Zukunft zu gestalten“, so Prof. Dr. Stefan Brüggerhoff, Direktor des Deutschen Bergbau-Museums Bochum.

Die neue Dauerausstellung
Ein Team aus jungen Kuratorinnen und Kuratoren erarbeitete gemeinsam mit Ausstellungsgestaltern und Museumspädagoginnen Inhalte, Vermittlungs- und Präsentationsformen für die thematischen Schwerpunkte der neuen Dauerausstellung: Geschichte der deutschen Steinkohle, Mensch und Bergbau epochen- und spartenübergreifend, Georessourcen sowie Kunst und Kultur im Bergbau. Zielsetzung der neuen Dauerausstellung war zum einen, die Vermittlung der vielfältigen und faszinierenden Welten des Bergbaus in eine zeitgemäße Form zu bringen, zum anderen stellte sich das Deutsche Bergbau-Museum Bochum der Herausforderung, Inhalte und Ergebnisse aus der eigenen Forschung spannend, lehrreich und informativ zu präsentieren. Die neue Dauerausstellung will nun verschiedene Zielgruppen mit passgenauen Vermittlungsangeboten ansprechen. Ob als interaktives Spiel, multimediale Vermittlungsstation, Kinderspur oder Hands-on-Exponat – nachhaltig sollen die Inhalte der Dauerausstellung vermittelt werden. Die vier Rundgänge bieten durch ihre inhaltliche Bandbreite zudem Anreize, sich themenspezifisch und interessengelagert in die Welten des Bergbaus zu begeben – ob im Rahmen eines Tagesbesuchs oder in regelmäßiger Wiederkehr.

„Die Chance, eine neue Dauerausstellung für das Deutsche Bergbau-Museum Bochum gestalterisch umzusetzen, bekommt man wohl nur einmal. Unser Ziel war es, die vier thematisch ganz unterschiedlichen Rundgänge in jeweils eigene Gestaltungsansätze zu übertragen. Wir wollten außerdem die Architektur des Hauses und die kuratorischen Ideen miteinander verbinden“, erklärt Ingo Plato, Geschäftsführer res d Design und Architektur GmbH, der mit der Arbeitsgemeinschaft Krafthaus gemeinsam die Ausstellungsgestaltung umgesetzt hat.

Die Objekte
Über 3.000 Exponate – darunter Objekte des Montanhistorischen Dokumentationszentrums des Deutschen Bergbau-Museums Bochum, Neuanschaffungen, Leihgaben und Schenkungen – werden in den vier Rundgängen in neuem Licht präsentiert. Die Vielfalt ist beeindruckend und spiegelt die Bandbreite der Sammlungen des Museums wider: Von der Großmaschine im Original und erläuternden (Technik-)Modellen bis zur Grubenlampe und dem so genannten Gezähe, über Archivalien wie Plakate, Urkunden, Filme und Fotografien bis zu Mineralien, Edelsteinen, Fossilien und archäologischen Funden hin zu Skulpturen, Gemälden, Laienkunst und einer Porzellansammlung. Ergänzt werden die klassischen Ausstellungsobjekte durch Medienstationen – z. B. mit Interview-Ausschnitten aus einem eigenen Oral-History-Forschungsprojekt – und Videoinstallationen sowie einem digitalen Spiel auf einer 180°-Leinwand.

Der Umbau
Die Besonderheit des Umbaus des Deutschen Bergbau-Museums Bochum bestand zum einen in der Tatsache, dass im Bestand und unter Denkmalschutzauflagen saniert wurde. Zum anderen sollte mit dem Umbau des Museums die Funktion als Ort der Begegnung, der Vermittlung und des Austauschs unterstützt und betont werden. Die Architekten besonnen sich dabei auf die ursprünglichen Pläne von Fritz Schupp aus den 1930er-Jahren. In dieser Rückbesinnung wurde gerade im Eingangsbereich und in der Mittelachse auf Helligkeit, Licht und Klarheit gesetzt, um den Gästen des Hauses Orientierung zu bieten und Services wie Gastronomie, Kasse und Information zu zentralisieren. Der 7t schwere Kohlebrocken von der Zeche Prosper-Haniel begrüßt nun im Entree, dank einem Glasdach von Tageslicht beschienen, die Besucherinnen und Besucher. Die Ausstellungsräume hingegen ermöglichen durch ihre Raum- und Farbstruktur jeweils ein Eintauchen in die verschiedenen Erlebniswelten des Bergbaus. Die Architektur wurde dafür den Bedarfen der Rundgänge moderat angepasst: Wo früher ein Sitzungszimmer war, verbindet nun zum Beispiel eine Rampe das Erdgeschoss mit dem Tiefkeller. Die engmaschige Abstimmung zwischen Ausstellungsgestaltung und Bauprozessen war daher unabdingbar und eine besondere Herausforderung angesichts des Zeit- und Kostenrahmens.

„Bauen im Bestand und unter Denkmalschutz ist immer eine besondere Aufgabe. Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum als Haus zwischen Tradition und Moderne anzulegen findet sich daher konsequenterweise auch in unseren architektonischen Ideen wieder. Für uns war dennoch wichtig, im Kostenrahmen zukunftsweisende Entscheidungen zu treffen. Das Haus nun wieder an seine Nutzer und Besucher zu übergeben, ist die Krönung unserer gemeinsamen Leistung im gesamten Projekt“, sagt Architekt David Bücker, Geschäftsführer DBCO GmbH.

Die Rundgänge
„Steinkohle. Motor der Industrialisierung“
Empfangen werden die Besucherinnen und Besucher von dem Stammrest eines Schuppenbaumes aus dem Karbonzeitalter (ca. 306 Mio. Jahre) und einem raumfüllenden Ölgemälde, einer Landschaft zur Steinkohlezeit (1923). Mit dem Prolog beginnt der Rundgang, der die Geschichte des deutschen Steinkohlenbergbaus vermittelt. Denn wohl kaum ein anderer Wirtschaftszweig prägte wie der Steinkohlenbergbau so nachhaltig Geschichte, Wirtschaft, Umwelt, Sozialleben und Kultur. Im Verlauf des Rundgangs erzählen rund 600 Objekte von technischen Entwicklungen, sozialen Errungenschaften sowie gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenhängen rund um die Steinkohle in Deutschland. Der Rundgang mündet im Epilog mit einem Blick in Gegenwart und Zukunft der Metropole Ruhr.

„Bergbau. Steinzeit mit Zukunft“
Rohstoffe begleiten den Menschen seit jeher. Ihre Gewinnung, Verarbeitung und Nutzung haben sich und die Menschheit im Laufe der Zeit verändert. Die Erforschung dieser Themen ist Aufgabe des Deutschen Bergbau-Museums Bochum, das 1977 zum Forschungsmuseum der Leibniz-Gemeinschaft wurde. Der zweite Rundgang vermittelt dies in vielfältiger Art und Weise: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Disziplinen Archäometallurgie, Bergbaugeschichte, Materialkunde und Montanarchäologie beleuchten die Geschichte des Bergbaus von der Steinzeit über die Antike bis in das Mittelalter, der Frühen Neuzeit über die Industrialisierung bis in die Gegenwart. Gut 1.150 Objekten verdeutlichen, dass das Verhältnis des Menschen zum Bergbau auch das Zusammenspiel von technischer Weiterentwicklung und Lösungskompetenz sowie von Wissenserwerb und Macht ist.

„Bodenschätze. Ressourcen der Erde“
Bodenschätze sind – mit Ausnahme von Wasser – alle festen, gasförmigen oder flüssigen mineralischen Rohstoffe, die in natürlichen Ablagerungen oder Ansammlungen, den sognannten Lagerstätten, vorkommen. Man findet sie in oder auf der Erde, auf dem Meeresgrund, im Meeresuntergrund sowie im Meerwasser. Ihre Vorkommen sind endlich. Doch für den Menschen haben sie einen hohen Nutzen. Die heutige technikorientierte Welt wäre ohne Georessourcen nicht denkbar. Damit hat ihre bergbauliche Gewinnung über und unter Tage auch einen hohen wirtschaftlichen Wert. Der Rundgang bietet anhand von rund 950 Exponaten die Gelegenheit, Vielfalt und Einsatzmöglichkeiten von Rohstoffen zu erkunden. Er sensibilisiert auch dafür, dass die Nutzung von Georessourcen Vor- und Nachteile hat. Damit ist ihre Nutzung auch eine Frage der Nachhaltigkeit und der Verantwortung.

„Kunst. Ideal und Wirklichkeit“
Bergbau und Kunst sind eng miteinander verbunden, ohne dass die Branche je zentrales Motiv der bildenden Kunst wurde. Im 17. und 18. Jahrhundert hatte Bergbau für die Herrscherhöfe große wirtschaftliche Bedeutung, so entstand eine Fülle bergbaulicher Prunkgegenstände. Mit der Industrialisierung rückten zunehmend die Bergleute und der Industriezweig selbst in den Fokus. Kunstwerke entstanden aus eigener Verbundenheit mit der Branche oder als konkrete Auftragsarbeit. Die Bandbreite der knapp 400 Exponate reicht von Werken renommierter Kunstschaffender bis hin zur Laienkunst vom 17. bis zum beginnenden 21. Jahrhundert. Skulpturen, Gemälde und Grafiken werden durch kunstgewerbliche und -handwerkliche Objekte ergänzt. Bewusst erfolgt in diesem Rundgang keine Hierarchisierung. Vielmehr fragt er nach der Bedeutung der Kunstwerke für bestimmte Personenkreise und rückt damit die diversen Motivationen, Kunst zu schaffen, in Auftrag zu geben und auszustellen, in den Mittelpunkt.

Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum – Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen
Das Deutsche Bergbau-Museum Bochum – gegründet 1930 – ist eines von acht Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft. Erforscht, vermittelt und bewahrt wird epochenübergreifend die Geschichte der Gewinnung, Verarbeitung und Nutzung von Georessourcen. Zu den forschenden Bereichen gehören: Archäometallurgie, Bergbaugeschichte, Materialkunde, Montanarchäologie sowie das Forschungslabor und das Montanhistorische Dokumentationszentrum (montan.dok).

Die Förderer
Die Sanierung des Nordflügels und die Neugestaltung der Rundgänge „Steinkohle“ und „Bergbau“ wurden von der RAG-Stiftung im Rahmen des Projektes „Glückauf Zukunft!“ mit 15 Mio. Euro gefördert. Die Sanierung des Südflügels und die Neugestaltung der Rundgänge „Bodenschätze“ und „Kunst“ wurden im Rahmen der Bund-Länder-Förderung durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie das Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen mit 12,6 Mio. Euro finanziert. Beide Maßnahmen wurden ferner in Höhe von jeweils 3,2 Mio. Euro durch die Träger des Hauses gefördert: die Stadt Bochum und die DMT-Gesellschaft für Lehre und Bildung mbH.

  • Ersteller: Helena Grebe

    Dateiname: Aktuelles_Neue_Dauerausstellung_des_Deutschen_Bergbau-Museums.jpg

  • Ersteller: Sebastian Humbek

    Dateiname: Bermuda3Eck_Bochum_Total_Mark_Foster.jpg