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Christuskirche Bochum

Programm für September 2019

Das Programm der Christuskirche Bochum für September 2019

Sonntag, 01.09., 19:00 Uhr: Kroke. Konzert zum Tag des Friedens am Platz des europäischen Versprechens

Samstag, 08.09., 13:00-19:00 Uhr: Tag des offenen Denkmals. 3 Führungen

Mittwoch, 11.09., 14:46 Uhr: 11. September: Terror ächten! Glocken läuten zum Gedenken an die Opfer des Terrors

Sonntag, 15.09., 14:00-21:00 Uhr: Festival für die Freiheit der Kunst. Mit Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Volker Beck u. v. a. und mit: Vladimir Mogilevsky … spielt Chopin!          

Freitag, 27.09., 20:00 Uhr: Erich Stehfest. 9 Tage wach. Ein Sprachtrip.

Sonntag, 29.09., 19:00: urban urtyp. Spielzeit beginnt! Erster Act: Moca

Tickets für die kostenpflichtigen Veranstaltungen können im Vorverkauf in der Bochum Touristinfo, Huestraße 9, erworben werden.

Weitere Informationen zu den einzelnen Veranstaltungen

Kroke: Konzert zum Tag des Friedens            
Sonntag 01.09., 19:00 Uhr

Seit „Schindlers Liste“ ist ihre Musik weltbekannt. 80 Jahre nach Beginn des Zweiten Welt-kriegs spielt das polnische Trio am Platz des europäischen Versprechens.

Jiddischer Folk und polnischer Jazz, europäische Klassik und orientalische Grooves: KROKE sind die Kosmopoliten des Klezmer. Intensiv wie Frédéric Chopin, ungekünstelt wie Erik Satie, cool wie Velvet Underground.

1992 hatten Jerzy Bawos (acc), Tomasz Kukurba (vl) und Tomasz Lato (b) ihr Trio gegründet, im selben Jahr drehte Spielberg in Krakau „Schindlers Liste“. Der Film erzählt die Geschichte der Stadt, in der Kroke spielt: Kroke ist das jiddische Wort für Krakau. Spielbergs epochaler Film machte Klezmer-Musik weltweit bekannt; Kroke wiederum, von Spielberg entdeckt, hat den jiddischen Folk weiterentwickelt: Ihr Klezmer heute ist eine eigene Art der Minimal Art.

Auf diese Weise erinnert ihre Musik an das, was die Nazis vernichtet haben: die jiddische Kultur, die eine europäische war, die polnisch war und ukrainisch, weißrussisch und baltisch, die in Russland zuhause war und auf dem Balkan. Kroke musealisieren diese Kultur aber nicht, sondern schreiben sie fort  -  und bewahren damit das entscheidende Moment der Klezmermusik: offen zu sein für Neues. Klezmer war Weltmusik, bevor es das Wort auch nur gab. Im jiddischen Folk ging es schon immer darum, ästhetische und tatsächliche Grenzen zu überspringen. Das ist der Grund, warum Kroke Weltstars sind in ihrem Genre: weil sie die Welt aufgenommen haben in ihre Musik.

Jetzt kommt das polnische Trio eigens für dieses Konzert an diesem Tag nach Deutschland, es ist der internationale Tag des Friedens: Vor 80 Jahren  -  am 1. September 1939  -  hat der Zweite Weltkrieg begonnen, er begann mit dem Überfall auf Polen. Sechs Millionen Po-len wurden von ihren Nachbarn, den Deutschen, ermordet, drei Millionen von ihnen waren Juden. Am Ende des Krieges hatten 65 Millionen Menschen ihr Leben verloren, darunter 44 Millionen Europäer.

Daran zu erinnern, laden die Evangelische Kirche und die Stadt Bochum gemeinsam ein. Oberbürgermeister Thomas Eiskirch wird das Konzert zusammen mit der Präses der Evange-lischen Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, eröffnen. Die Botschaft, die an diesem Tag vom Platz des Europäischen Friedens ausgehe: dass Krieg nie wieder sei. Der Wunsch ist dringend, er gewinnt seinen Sinn, wenn wir alles tun, dass Auschwitz nie wieder sei.

Tag des offenen Denkmals
Sonntag 08.09., 13:00-19:00 Uhr, kostenfrei

Diesen Tag gibt es jedes Jahr, aber er hat in jedem Jahr ein anderes Thema, in 2019 lautet es: „Die Moderne: Umbrüche in Architektur und Kunst“. Nun, die Christuskirche ist ein Bauwerk, das die Moderne verdichtet wie kaum ein anderes. Was diese Steine erzählen, sind konzentrierte Umbrüche: Wege, die zu Irrwegen, und Kehren, die zu Einsichten wurden. Drei Führungen wird es geben an diesem Tag  (um 13 / 15 / 17 Uhr):

Erste Station: die ebenso prächtige wie prekäre „Helden-Gedenkhalle“ im Turm, sie erinnert an den Ersten Weltkrieg, der Europa in einen Friedhof verwandelt hat. Zweite Station: die neue Christuskirche, die, unpompös und bilderlos, eine Antwort gibt auf die Frage, wie man  —  nach zwei Weltkriegen, nach Auschwitz  —  überhaupt noch eine Kirche bauen kann. Die Christuskirche gilt als eine der schönsten Sakralneubauten Europas.

Um diese Kirche herum ist  -  dritte Station  -  der Platz des europäischen Versprechens ent-standen. Gewidmet ist er den Versprechen, die 14 726 Europäer an Europa gegeben haben.  Und schließlich, letzte Station, geht es hinauf auf den Turm bis hoch zu den Glocken, die nur einmal im Jahr geläutet werden  —  drei Tage später am 11. September von 14:46 bis 15:03 Uhr. Es sind die Minuten, in denen deutlich geworden ist, dass Terror kein Ziel hat außer eines: die Moderne zu zerbomben.

- Führungen um 13 Uhr, 15 Uhr und 17 Uhr
- Dauer jeweils 60 bis 90 Minuten
- kostenfrei; barrierefrei
- Hinweis: Die Treppen des Turmes hochzusteigen, ist keine übermäßige, aber dennoch körperliche Anstrengung. Die Luft im Turm kann mitunter stickig sein. Wir geben das allen zu bedenken, die z.B. unter Atembeschwerden leiden.

11. September: Terror ächten!        
Mittwoch 11.09., 14:46-15:03 Uhr

Die Glocken der Christuskirche läuten nur einmal im Jahr, immer am 11. September von 14:46 h bis 15:03 h. Sie erinnern an die Opfer des Terrors weltweit und daran, dass kein Gott ist, der Menschenopfer verlangt. Vor 18 Jahren wurden in diesen Minuten zwei von Terroris-ten entführte Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers gelenkt. Der Terror-Pilot ei-nes vierten entführten Flugzeugs, Ziad Jarrah, war Bochumer: Er allein hat 40 Menschen ermordet, sie starben auf einem Feld in Shanksville/Pennsylvania.

Terror ist Alltag geworden, weltweit. Die Vereinten Nationen haben weit über 150 Internati-onale Gedenktage und -wochen und –jahre und –dekaden anberaumt. Ein Tag, um der Opfer des Terrors weltweit zu gedenken, ist nicht darunter. Eine Initiative, Terror zu ächten, hat es nicht gegeben.

Und doch wäre es dringend vonnöten, „die Kriegsform des Selbstmordattentats als ein Ver-brechen gegen die Menschheit so zu ächten, wie man einst den Einsatz der ABC-Waffen ge-ächtet hat.“ (Matthias Küntzel).

Ächten bedeutet: etwas tun. „Wir verweigern dem Terror jede Rechtfertigung, jede Solidari-tät, jede Unterstützung.“ Ein paar Tausend Bürger haben dies seit Ende 2015 erklärt, die BOCHUMER ERKLÄRUNG beginnt mit einem kategorischen Satz: „Terror und Demokratie schließen sich gegenseitig aus.“

Zur Bochumer Erklärung.

Festival für die Freiheit der Kunst (u. a. mit Vladmir Mogilevsky)   
Sonntag 15.09., 14:00-21:00 Uhr

Kunst verbindet, Boykott trennt. Was darf die Kunst? Alles. Was darf sie nicht? Sich selber boykottieren. Warum? Weil Kunst dialogisch ist.

Und doch ist es immer wieder so, dass Künstler boykottiert werden - wenn sie aus Israel kommen. Als ob die Freiheit der Kunst für alle gälte außer für sie. Ebenso boykottiert werden Künstler, die in Israel auftreten wollen. Als ob Kunst alle Menschen miteinander verbinde außer mit Juden.

BDS nennt sich diese Kampagne gegen Kunst, sie ist antisemitisch. Das hat der Bundestag nachdrücklich erklärt: Wer boykottiert, will brandmarken. Wir feiern lieber die Freiheit der Kunst und die Kunst der Freiheit. Ein Festival der Jüdischen Kulturinitiative u.a. mit

- Sabine Leutheusser-Schnarrenberger | Antisemitismusbeauftragte NRW
- Volker Beck | Bürgerrechtler
- Dietmar Köster | MdeP
- Michael Thews | MdB
- vielen Künstlerinnen und Künstlern und hier u. a. mit Vladimir Mogilevsky ... spielt Chopin

„Der Ausnahme-Pianist.“ „Das Klavier-Genie.“ „Die Weltklasse.“ Der 49-Jährige ist auf dem Weg, zu einem der ganz Großen zu werden.

Seit 15 Jahren gastiert er regelmäßig in der Philharmonie Berlin und im Großen Saal des Konzerthauses Berlin, er konzertiert in der Elbphilharmonie Hamburg und spielt überall in Europa und der Türkei, in Mexiko und China, Südafrika und Israel. Preisträger diverser internationaler Wettbewerbe, nach seinem Erfolg beim Liszt-Klavierfestival in Bonn 2002 schrieb ein Kritiker: „Es war, als wäre Liszt persönlich anwesend gewesen.“

Einhellig das Urteil der Musikkritik über Mogilevskys Spiel: technisch perfekt, leidenschaft-lich, durchdacht. Seine Interpretationen würden sich jenes Maß an Eigensinn bewahren, das es braucht, ein Werk zu beseelen - „ein Hauch Seligkeit“, so der WDR.

Woher dieses besondere Moment stammt? Mogilevsky hat eine Leidenschaft für Jazz, für die Improvisation, die Sinngebung der Klassik. Für diese Art des Spiels steht vor allem der Name von Oscar Peterson: Der legendäre Pianist, 2007 verstorben, hat den jungen Valdimir noch spielen gehört  -  und war sichtlich beeindruckt.

Beim Festival der Jüdischen Kulturinitiative in der Christuskirche wird Mogilevsky nun Frédéric Chopin interpretieren: Auch Chopins Musik stellt sich tot, wenn sie nur nachgespielt wird, zum Leben erwacht sie dann, wenn sie auf Leidenschaft stößt.

Das Programm des Tages:

14:00 Uhr    Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Antisemitismusbeauftragte NRW und Dietmar Köster, MdeP
15:30 Uhr    Klassik Duo Weimar & Liri Doll, Klezmer, Klassik und israelische Lieder
16:30 Uhr    Michael Thews, MdB
17:00 Uhr    Joel & Kristina, Schottische Musik, Gaby Spronz, Was ist BDS?
18:00 Uhr    Volker Beck
18:30 Uhr    Vladimir Mogilevsky
19:30 Uht    Klassik Duo Weimar & Liri Doll
20:00 Uhr    Alexander Zolotarev, Elena Gaponenko, Jüdische Komponisten der Klassik

Erich Stehfest: 9 Tage wach                
Freitag 27.09., 20:00 Uhr

Sein Name, sein Gesicht, seine Stimme sind bekannt durch "Gute Zeichen, schlechte Zeiten".  Und dann hat er, das GZSZ-Starlet, einen Roman vorgelegt, einen biographischen. Titel: "9 Tage wach". Das Buch wurde zum Bestseller, sein Thema: Drogensucht, Eric war jahrelang von Crystal Meth abhängig.

Eine teuflische Droge, dieses Methamphetamin: Das Zeug ist billig, es lässt sich rauchen oder schlucken oder schnupfen, es wirkt unmittelbar. Und macht, ähnlich unmittelbar, abhängig.

Eric kam von dem Zeugs wieder los, die Entziehungskur hat 1 Jahr gedauert. Auslöser dafür, dass er überhaupt eine Entziehungskur begonnen hat, war ein 9 Tage andauernder Rausch gewesen. Den er fast nicht überlebte hätte. Heute ist er clean und hat es sich zur Aufgabe gemacht, über Drogensucht aufzuklären. Über Crystal Meth sagt er:

"Methamphetamin ist die ideale Substanz für Verschwörungssucher. Du suchst nach Ge-heimnissen und Fehler überall. Bei den Freunden, der Familie, den Nachbarn."

Der Abend: eine Lesung. Keine Beichte, keine Lektion in Moral, auch keine Rechtfertigungsti-rade. Eher sowas wie eine Erlebnislesung, Erich nennt sie einen "Sprachtrip": der Versuch, andere durchs Hören mit hinauf zu nehmen auf höchste Höhe und mit hinein in den tiefsten Fall.

Moca: urban urtyp #73                
Sonntag 29.09., 19:00 Uhr

urban urtyp geht in die 10. Spielzeit. Die zehnte! Für eine Indie-Reihe, die kein anderes Prin-zip als das Lustprinzip kennt, ist das kurz vor ewig. Und wäre ein Grund zu staunen und zu feiern, und dann schauen wir uns um und staunen in der Tat: die Stimmung? Steht kurz vor Katastrophe. Das Szenario? Heißt Untergang. Alle denken, alle fahren wir gegen die Wand, wir denken: alle außer Moca. Moca, die Bochumer Band, fährt Cabrio. Eiswürfel im Glas, Cocktailgläser klirren. Das Trio ist 18 Jahre jung, die Straße frei, am Himmel keine Wolke. Der Sound, der einem aus ihrem „Cabriolet“  -  so heißt ihr drittes, das jüngste Album  -  entgegen flirtet, ist funky, ist jazzy, ist Latin und Pop. Alles mit leichter Hand gerüttelt, nicht gerührt, alles entspannt und bestens gelaunt. Ein lässig eleganter Electro-Sound, der sich von aller Erdenschwere befreit: Moca ist das Lebensgefühl einer Zeit, in der es keine Überrollbügel gab und Synthesizer analog dahin schnurrten. Ist das nostalgisch? Ach was, es ist easy urban listening, es ist die Art von Schwerelosigkeit, an der man schwer arbeiten muss, um sie zu gewinnen. Mindestens zehn Jahre, gerne mehr.  

  • Ersteller: Jacek Dylag, Bochum Marketing GmbH

    Dateiname: Aktuelles_Christuskirche_Programm.jpg

  • Ersteller: Bochum Marketing GmbH, Sebastian Humbek

    Dateiname: Bermuda3Eck_Bochum_Total_Mark_Forster.jpg