BoMa Stadtmagazin

Spielerisch Vorurteile abbauen

Das Junge Schauspielhaus schafft mit seinen Projekten eine ganz besondere Art der Vernetzung

„Das Theater bildet mehr als ein dickes Buch“, sagte bereits der französische Philosoph Voltaire.

Wie sehr diese Aussage auch in heutigen Zeiten aktuell ist, und wie viel Positives ein Schauspielhaus neben seiner Funktion als wertvolle Kultureinrichtung zum Stadtleben beitragen kann, zeigt das Schauspielhaus Bochum mit dem Jungen Schauspielhaus unter der Leitung von Martina van Boxen. Diese ist mit ihrem Team für viele verschiedene Projekte verantwortlich.

Unter anderem bietet das Junge Schauspielhaus fünf Jugendclubs an, in denen Kindern und Jugendlichen zwischen zehn und 27 Jahren die Möglichkeit geboten wird, kreativ zu sein und sich auf der Bühne auszuprobieren. Unter theaterpädagogischer Anleitung können die Teilnehmer über mehrere Monate Spielformen entwickeln und ihre künstlerischen Fähigkeiten für sich entdecken. Die entstandenen Stücke werden am Ende im Theater Unten aufgeführt. „Vorkenntnisse werden für unsere Clubs nicht gebraucht. Wir bieten allerdings auch einen Club für alle an, die schon Bühnenerfahrung vorweisen können und Lust haben, sich mit einem konkreten Stück auseinanderzusetzen“, so Martina van Boxen.

Als die gebürtige Gladbacherin zur Spielzeit 2005/2006 Leiterin des Jungen Schauspielhauses wird, gibt es die Arbeit in den Clubs bereits. „Ich wollte darüber hinaus die professionellen Inszenierungen für Kinder und Jugendliche ausbauen.“ So gab es vor Martina van Boxen nur das Familien- und Kinderstück. Mittlerweile zeigt das Junge Schauspielhaus pro Spielzeit meist drei bis vier Eigenproduktionen. Dabei richten sich die Stücke nicht nur an Kinder ab drei Jahren und Jugendliche, sondern auch an Erwachsene. „Wenn sich ein Erwachsener in einem Kinderstück langweilt, kann dieses nicht gut sein. Somit möchten wir natürlich auch die Erwachsenen mit unseren Stücken ansprechen“, so die Leiterin.

Was Martina van Boxen bei all ihren Projekten antreibt, ist die aktuelle Gesellschaft. „Es gibt heutzutage so viele Vorurteile anderen gegenüber. Das finde ich ganz schrecklich.“ Daher ist es ihr bei ihrer Arbeit sehr wichtig, Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen zusammenzubringen. „Vor allem bei dem Projekt ‚Schulen in Bewegung‘ stoßen Schüler sechs verschiedener Schulformen aufeinander. Gerade hier herrschen am Anfang oft Vorurteile, Unsicherheit und Unvertändnis.“ Doch im Laufe des Projektes verstehen die Schüler, dass sie zusammen arbeiten müssen, um etwas zu erreichen. „Es ist klasse zu sehen, wie nach und nach aufeinander zugegangen wird, Fragen gestellt werden und ein Verständnis für andere  entwickelt wird.“ So sind die Resultate des Projektes oft wachsendes Selbstbewusstsein und Freundschaften zwischen Schülern, die normal gar nicht miteinander in Berührung gekommen wären.

Ähnlich spielt es sich auch in anderen Projekten ab, wie bei Kooperationen mit dem LWL-Universitätsklinikum oder der JVA Bochum. „Zudem tun wir seit Jahren viel für die Integration von Geflüchteten“, berichtet van Boxen. So wurden in den letzten Spielzeiten einige Stücke zusammen mit unbegleiteten geflüchteten Minderjährigen und Bochumern entwickelt. Auch hier versucht die Leiterin, neben dem künstlerischen Dialog zwischen verschiedenen Gruppen einen sozialen zu schaffen. „Egal welchen Glauben, welche Herkunft oder welchen Bildungshintergrund die Menschen haben hier arbeiten sie zusammen an einem Projekt und beginnen Vertrauen herzustellen und Vorurteile abzubauen.“

Für Martina van Boxen ist das „viel Arbeit, aber schöne Arbeit.“ Mit wie viel Herzblut und Engagement sie bei diesen Projekte dabei ist, wird schnell deutlich. So schafft das Junge Schauspielhaus mit der Leiterin Martina van Boxen die Inszenierung künstlerisch wertvoller Stücke und gleichzeitig die Förderung der Zusammenarbeit unterschiedlichster Personengruppen. Was von beidem als der wohl größere Erfolg gewertet werden kann, ist fraglich.

JUNGES SCHAUSPIELHAUS
KÖNIGSALLEE 15, 44789 BOCHUM
WWW.SCHAUSPIELHAUSBOCHUM.DE/JUNGESSCHAUSPIELHAUS


Text: Lea Kazimirowicz
Foto: Andreas Molatta



Dieser Artikel ist in der Dezember-Ausgabe der BOMA erschienen.


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