BoMa Stadtmagazin

Mit sechs Hütten fing alls an

Geschichten vom und über den Bochumer Weihnachtsmarkt

Alljährlich an den Weihnachtstagen versammelt sich im Idealfall die ganze Familie, um gemeinsam das Fest der Liebe zu feiern.

Die Einstimmung auf das Fest beginnt aber schon viel früher, dann nämlich, wenn sich Händler und Schausteller daran machen, mit einem liebevoll aufgebauten Weihnachtsmarkt ein besonderes Flair in die Innenstädte zu bringen. Oftmals haben diese Beschicker schon seit Generationen einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt. Und so ist davon auszugehen, dass der eine oder andere nach so vielen Jahren ein paar spannende Geschichten zu erzählen hat.

Einer der Altgedienten ist der Schausteller Traugott Petter. Bereits seine Großeltern machten sich in den 1920er-Jahren mit einer Schimpansen-Show und einem Fahrgeschäft selbstständig. „Von diesen gelang der Schaustellerbetrieb dann in die Hände meines Vaters, von ihm wiederum 1984 in meine“, erinnert sich der Bochumer. Bei so einer weit zurückreichenden Betriebs- und Familiengeschichte ist es nicht verwunderlich, dass die Bochumer Familie auch seit Beginn des Weihnachtsmarktes an ebendiesem beteiligt ist. „Schon 1948 wurde ein erster Weihnachtsmarkt nach dem Krieg inmitten der Trümmer organisiert. Meine Familie war dort mit einigen Ständen, wie dem Fahrgeschäft ‚Die Spinne‘, vertreten.“ Der Markt war allerdings wenig erfolgreich, sodass zunächst keine weiteren Planungen für einen Weihnachtsmarkt erfolgten. Nach einem weiteren gescheiterten Versuch 1961, wurde 1969 ein erneuter Vorstoß unternommen, den Weihnachtsmarkt in Bochum zu etablieren. Dekorateur Wagner von der Familie Baltz organisierte zusammen mit seinem Vater von Traugott Petter, genannt Goldi, eine Weihnachtskirmes bestehend aus sechs Hütten auf dem Husemannplatz. „Und dieses Mal lief der Weihnachtsmarkt recht ordentlich“, weiß Traugott Petter. „Im folgenden Jahr wurde der Markt vom Verkehrsverein und dann von Bochum Marketing übernommen und über die Jahre immer größer.“

So ist Traugott Petter seit dem ersten Tag beim Bochumer Weihnachtsmarkt dabei.

Und auch der Rest seiner Familie ist mit vollem Herzblut als Schausteller tätig und beim Weihnachtsmarkt vertreten. „Meine Frau Monika verkauft seit 45 Jahren ihre Reibekuchen und meine Tochter Silvia hat einen Stand mit Grillschinken und einen mit Stampfkartoffeln“, so Petter. Auf dem Weihnachtsmarkt steht Traugott Petter selbst mit einem Ausschank. „Wir sind alle gern auf dem Bochumer Weihnachtsmarkt. Die Bochumer sind einfach ein besonderes Publikum.“

Familie Petter ist aber nicht die einzige Schaustellerfamilie auf dem Bochumer Weihnachtsmarkt. Seit 34 Jahren ist Diana Däbritz-Weber im Familienbetrieb tätig. „Schon mit zehn Jahren habe ich meiner Mutter am Imbiss-Stand auf Veranstaltungen geholfen“, erinnert sich die Schaustellerin. „Ich mache das folglich schon sehr lange, aber es macht mir auch noch immer viel Spaß. Ich bin an der frischen Luft und lerne immer neue Leute kennen“, so Däbritz-Weber. Auch auf dem Bochumer Weihnachtsmarkt steht die Familie mit ihrem Imbiss-Stand seit langer Zeit. „Auf den Weihnachtsmarkt komme ich immer gerne. Die Leute sind hier klasse, und man hat sich über die Jahre einen festen Kundenstamm aufgebaut, die jedes Jahr wieder kommen.“ Von eben diesen bekam die Schaustellerin zu Weihnachten auch schon kleinere Geschenke, wie Pralinen oder eine Flasche Wein.

Nach so vielen Jahren Bochumer Weihnachtsmarkt erinnert sich Diana Däbritz-Weber auch an einige besondere Aktionen, wie „Motto-Weihnachten“, wo der gesamte Weihnachtsmarkt im Motto „Engel“ stand und dementsprechend alles geschmückt und dekoriert wurde. „Ich erinnere mich auch noch, dass vor bestimmt 15 Jahren ein Nikolaus mit einer Kutsche durch die Straßen gefahren ist. Hinter ihm lief Knecht Ruprecht mit einer rasselnden Kette. Das hat vor allem bei den Kindern für Aussehen gesorgt.“

Einiges erlebt auf dem Bochumer Weihnachtsmarkt hat auch Bernhard Prinz, der ebenfalls schon seit Beginn auf dem Weihnachtsmarkt ist. „Schon bei dem Versuch 1961, einen Weihnachtsmarkt zu etablieren, habe ich mit einem Kinderkarussell aus dem Jahre 1946 auf dem Platz am Kuhhirten gestanden.“ Da stand sein Betrieb noch in den Anfängen. Bernhard Prinz hat mit seiner Frau seitdem das Familienunternehmen Stück auf Stück auf- und ausgebaut. „Eigentlich bin ich gelernter Kfz-Schlosser und durch Zufall über meinen Onkel in das Schaustellerleben geraten.“ Mittlerweile ist sein Sohn in den Familienbetrieb eingestiegen. Seit 1961 hat sich nicht nur viel bei der Familie Prinz verändert, sondern natürlich auch auf dem Bochumer Weihnachtsmarkt. „Gerade in den letzten sechs, sieben Jahren ist der Weihnachtsmarkt mit seinen inzwischen mehr als 200 Beschickern noch attraktiver geworden. Mir gefällt vor allem die Bauart des Marktes“, so Prinz. Wie aber bereits in den 1960er-Jahren, ist die Familie auch heute noch mit einem Kinderkarussell vor Ort.

Erst seit 2009 beim Bochumer Weihnachtsmarkt, allerdings mindestens so bekannt wie die alten Hasen, ist der „Fliegende Weihnachtsmann“ alias Falko Traber. In 33 Metern Höhe begeistert der „Fliegende Weihnachtsmann“ zweimal täglich die Kinder mit seiner Hochseilshow. Aber auch Falko Traber ist jedes Mal wieder überwältigt: „Es ist zwar immer wieder dasselbe, aber es ist auch immer wieder wunderschön. Wenn man über den Platz fliegt und die glänzenden Augen der Kinder sieht, lässt einen das selbst nicht kalt. Denn auch ein Weihnachtsmann hat Emotionen“, lacht Traber. Das Bochumer Publikum ist für ihn generell etwas Besonderes. „Hier in Bochum herrscht wirklich große Begeisterung für die Show.“ Sehr berührt hat den „Fliegenden Weihnachtsmann“ vor allem ein Video eines fünfjährigen Bochumers, der von seiner Mutter gefilmt im Kinderzimmer die komplette Geschichte inklusive Schlitten und Texten nachspielt. „Über so große Fans freut man sich natürlich sehr“, so Falko Traber.

Der „Fliegende Weihnachtsmann“ verzaubert nicht nur Kinder, sondern hilft ab und an auch beim Überraschen. Vor zwei Jahren machte ein Mann seiner Freundin oben vom Dach einen Heiratsantrag. Für Falko Traber sehr passend: „Thematisch passt ein Antrag bei einer Hochseilshow sehr gut, denn auch eine Ehe ist ein Drahtseilakt.“ Es wird sich auf dem Bochumer Weihnachtsmarkt aber nicht nur verlobt, sondern in diesem Jahr sogar geheiratet. Im November und Dezember trauen sich acht Brautpaare und geben sich in der Glaskabine des City-Skyliners in 72 Metern Höhe das Ja-Wort. Der Bochumer Weihnachtsmarkt ist somit seit fast fünfzig Jahren Mittelpunkt spannender Geschichten und nun auch romantischer Trauungsort.


BOCHUMER WEIHNACHT 2017
NOCH BIS ZUM 23. DEZEMBER
11 BIS 22 UHR (KERNZEIT 12 BIS 21 UHR)
WWW.BOCHUMER-WEIHNACHT.DE 


Text: Lea Kazimirowicz
Fotos: Andreas Molatta und Michael Grosler



Dieser Artikel ist in der Dezember-Ausgabe der BOMA erschienen.


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