BoMa Stadtmagazin

Internet-Schule mit Kletterwand

Mit Herz und Hirn statt Fräulein-Rottenmeier-Blick

Bochum – Talentschmiede im Ruhrgebiet. Das bedeutet nicht nur die Förderung von Talenten in den Bereichen Wissenschaft, Kunst, Kultur und Sport, sondern auch, denen zu einem Schulabschluss zu verhelfen, die sonst keine Chance darauf haben.

Die Möglichkeit dazu eröffnet ihnen Sarah Lichtenberger mit den Lehrern und Kollegen ihrer web-individualschule. „Wir sind eine Fernschule für Kinder und Jugendliche, die psychisch oder physisch dauerhaft erkrankt und von der Schulpflicht befreit sind, sowie Manager- und Diplomatenkinder und langjährige Schulverweigerer“, erklärt die Schulleiterin.

Per Videotelefonie unterrichten die Lehrer ihre Schüler, die sich im Krankenhaus, der Psychiatrie, einer Jugendhilfeeinrichtung oder zu Hause befinden. Oder in einem Tour-Bus oder Backstage-Bereich. Wie Bill und Tom Kaulitz von Tokio Hotel, die seinerzeit ihren Abschluss in Bochum gemacht haben. „So bereiten wir die Kinder und Jugendlichen auf den Förder-, Haupt- oder Realschulabschluss vor. Ohne uns hätten die gar nicht die Möglichkeit, einen Schulabschluss machen zu können.“ Mit dem Abschlusszeugnis, das sie im Anschluss von einer Kooperationsschule bekommen, können sie sich dann bewerben.

Die web-individualschule vor 15 Jahren in Bochum zu gründen, war ausschließlich eine Sache des Herzens. „Ich bin in Bochum geboren, in Bochum geblieben und habe auch vor, hier zu bleiben.“ – Auch mit dem neuen Standort, nach dem Sarah Lichtenberger lange hat suchen müssen, und den sie nun am Gerard-Mortier-Platz an der Jahrhunderthalle gefunden hat. Der Umzug ist für den Herbst geplant, um neue Lehrer einstellen und die vielen Anfragen bewältigen zu können.

Damals die erste ihrer Art gewesen, gibt es Fernschulen mittlerweile überall. „Aber mit der 1-zu-1-Betreung, dem Herzblut und dem engen täglichen Kontakt zwischen Lehrern und Schülern sind wir immer noch einzigartig.“
Hoch über den Dächern Bochums, mit einem wunderschönen Ausblick über die Stadt gelegen, erinnert die Schule mit Kicker, Sitzsäcken, Couches und Playstation eher an Internetunternehmen als an eine Lehranstalt. „Wir sind extra so. Im Neubau ist sogar eine Kletterwand geplant.“ Auch die Lehrer sehen nicht so aus wie sie wohl die meisten aus der Schule kennen. „Je bunter und verrückter, desto besser. Weil unsere Klientel auch sehr bunt und verrückt ist. Wir gehen ungewöhnliche Wege, um die Schüler wieder einzufangen.“ Und das gehe meist nur mit Herz und Hirn. Und nicht mit einem strengen Fräulein-Rottenmeier-Blick.

„Das ist schon eine ungeheure Leistung unserer Lehrer, die Schüler so bei der Stange zu halten. Sonst sind die ganz schnell wieder weg mit den Gedanken.“ Auch von den Schülern, die schon in ihrem jungen Alter ihr Lernverhalten weitestgehend selbst organisieren müssen. „Aber die haben ein Ziel vor Augen, weil sie sonst auch keine Chance hätten. Für sie ist das hier die letzte Möglichkeit.“

www.webindividualschule.de


Text: Sven Berger
Fotos: Andreas Molatta



Dieser Artikel ist in der Oktober-Ausgabe der BOMA erschienen.




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