BoMa Stadtmagazin

Im Ausland die Heimat entdeckt

Anja Liedtke wünscht sich ein Literaturhaus in Bochum

Bochum bringt als „Talentschmiede im Ruhrgebiet“ erfolgreiche helle Köpfe auf den verschiedensten Gebieten hervor. In der Bochumer Literaturszene ist die preisgekrönte Schriftstellerin Anja Liedtke ein Beispiel dafür.

Als Weltenbummlerin mit ständigem Fernweh hat es sie immer wieder in ihre Geburts- und Heimatstadt zurückgezogen. In Bochum lebt und arbeitet, das heißt: schreibt sie. Erfahrungen, die sie während ihrer Reisen und längerer Aufenthalte zum Beispiel in China, den USA oder Israel gemacht hat, verarbeitet sie in ihren Büchern. „Ich schreibe nicht für den Markt“, sagt sie, „das Schreiben ist für mich eher wie eine Art Selbstverwirklichung“. So abwechslungsreich wie die Schauplätze und Themen ihrer Werke, so vielfältig sind auch die Genres, die sie mit ihren Arbeiten bedient. Vom Heimatroman über ein jüdisch-deutsches Wörterbuch bis hin zur Belletristik und Theaterstücken gibt sie dem, was sie beschäftigt und bewegt, in unterschiedlichen Formen Ausdruck.

Wenn es um das Thema Talentförderung der Literaturszene geht, sieht Liedtke Nachholbedarf. „Eine Poetikschule und ein Literaturhaus, das sind Einrichtungen, die in Bochum fehlen.“ Das Problem, mit welchem sich talentierte Schriftsteller deutschlandweit konfrontiert sehen, ist, dass sie in ihren Heimatstädten oftmals nicht die Chance auf einen großen Durchbruch haben. Auch in Bochum ist es so, dass „literarische Talente den Wohnort wechseln, um näher an großen Verlagen zu sein und bessere Aussichten auf Erfolg zu haben“, erklärt Liedtke. Ihr eigener Weg zum Beruf der Schriftstellerin wurde von außen geprägt. Hier wird klar, dass Anstoß und Unterstützung durch Professoren während ihres Studiums an der Ruhr-Universität Bochum prägend und hilfreich waren. Ihre Auslandserfahrungen haben immer wieder den eigenen Blick auf ihre Heimat verändert, manchmal kritisch, doch meist positiv. So schätzt sie die Ehrlichkeit und Direktheit der Menschen hier, die man in anderen Regionen vergeblich sucht.

Liedtke hat erst im Februar ihr neuestes Werk, den vierten Roman in ihrem Portfolio, „Schwimmen wie ein Delfin oder Bowies Butler“, veröffentlicht, den es bei Lesungen und Präsentationen vorzustellen gilt. „Keines meiner Bücher ist wie sein Vorgänger.“ So ist ihr jüngster Roman eine Mischung aus Biografie und Fiktion. Eine Hommage an den im vergangenen Jahr verstorbenen David Bowie.

Im Juni findet die erste Bochum Biennale, eine zehntägige Veranstaltungsreihe der Kunst- und Kulturszene, statt. Hier werden Bochumer Akteuren aus verschiedenen Bereichen Präsentationsplattformen geboten. Die Bochumer Literaten – eine Autorengruppe, die sich 2008 gründete und in der Liedtke seit 2010 Mitglied ist – werden im Rahmen der Veranstaltung am 9. Juni 2017 im offenen Atelier ktg und am 11. Juni 2017 im 2neun2 ihre Werke präsentieren.


Text: Lisa Carina Krick   


Lesung „Schwimmen wie ein Delfin oder Bowies Butler“
LIO-Lesebühne
15. April 2017, 15.30 Uhr

Haus Oveney
Oveneystraße 65
 44797 Bochum

Mehr Informationen zu der Autorin gibt es hier.


INFOKASTEN Literaturpreis Ruhr 2017

Der Literaturpreis Ruhr ist die wichtigste Auszeichnung für Autoren, Kritiker und Verleger, die im Ruhrgebiet leben, sowie für Schriftsteller auch von außerhalb, die darüber schreiben. In diesem Jahr wird er zum 31. Mal verliehen. Neben einem Hauptpreis gibt es zwei Förderpreise für literarische Nachwuchstalente. Diese müssen sich mit unveröffentlichten Texten selbst bewerben. Bewerbungs- und Einsendeschluss für Einreichungen und Vorschläge ist der 30. Juni 2017. Ausgeschrieben sind die Förderpreise in diesem Jahr für Geschichten zum Thema „Klopfen an der Tür“.
Mehr Information hier.


Dieser Artikel ist in der März-Ausgabe der BOMA erschienen.


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