BoMa Stadtmagazin

Neugierige Weltbürger

Die Künstlerinitiative Kosmopolen e.V. baut Brücken zu anderen Kulturen

Kosmopolen e.V., Foto: Andreas Molatta

„Selbstverständlich bin ich ein Kosmopole!“ – Mit Nachdruck sagte der Schauspieler Joachim Król zu, dass er bei dem neuen deutsch-polnischen Künstlerverein mitmachen wolle.

Das war 2008, bei einem Telefonat mit der Bochumer Fotografin und Kommunikationsdesignerin Emanuela Danielewicz. Die lebte damals seit 16 Jahren im Ruhrgebiet, kannte viele ausgezeichnete Musiker, Schriftsteller und Künstler und fand, dass diese trotz ihres Könnens viel zu selten von den größeren Institutionen der Umgebung zu Festivals oder Lesungen eingeladen wurden. Aber was sollte sie tun?

Über zwei, drei Jahre schlugen immer wieder Freunde vor, sie solle doch die Initiative ergreifen und einen Verein gründen, berichtet Danielewicz. Aber als „ziemlich erfolgreiche und sehr beschäftigte Fotografin“ sei sie damals viel „durch die Gegend gedüst“. Abgesehen davon: Würden streng geregelte Vereinsstrukturen weiterhelfen? Könnte sie da auf nationale Bezüge verweisen, als begeisterte Europäerin, die „diesen Horizont braucht zum Atmen“?

Die Selbstorganisation, deren Vorstand sie zusammen mit dem Kontrabassisten Vitold Rek und der Schriftstellerin Ksymena Wojtyczka übernahm, bekam deshalb einen Namen, der näher dran ist an Kosmopolit (Weltbürger) als an Polen. Er klingt ein bisschen lustig und erlaubt Humor. Die Vereinsgründer zitieren Basil Kerski, der das Europäische Solidarność-Zentrum in Gdańsk leitet: Ein Kosmopole ist ein flexibler, neugieriger Mensch, der scheinbar Widersprüchliches in sich vereint. Mit dieser Idee überschrieb zuletzt Vereinsmitglied Artur Becker seinen Essayband mit Gedanken zur Suche nach einem gemeinsamen europäischen Zuhause. Unter seinen Mitstreitern, die deutschlandweit verteilt leben, sind viele, die biographisch gar nichts mit Polen zu tun, aber Lust auf gemeinsame kulturelle Projekte haben.

Auf seinem Weg erlebte der Verein immer wieder „kleine Wunder“, freut sich die Gründerin. Finanziert durch Projektmittel – vor allem von der Bundesregierung, dem deutschpolnischen Nachbarschaftsvertrag von 1991 entsprechend – und mit vielen Kooperationspartnern konnte er ca. 300 Veranstaltungen unter anderem in Bochum, Essen, Duisburg, Krefeld und Dortmund realisieren. Darunter waren fünf Festivals und Wochenendaktionen, wie die Ausstellung „Ein Mehr sehen“ 2011 im LWL-Industriemuseum Zeche Hannover oder „Kosmopolen in EUforia. Künstlerische Positionen zum europäischen Wertediskurs“ 2012 in der Christuskirche. Immer geht es um kulturelle Vermittlung, manchmal Erinnerungskultur, um Austausch und darum, voneinander zu lernen. Auch darum, offen für neue kulturelle Einflüsse und gegen nationalistische Ideologien immun zu sein.

Für Emanuela Danielewicz, die für ihre Fotografien und das Engagement der Kosmopolen für die Völkerverständigung letztes Jahr den Wiener Kulturpreis „Goldene Eule“ erhielt, schloss sich gewissermaßen der Kreis. Ihr Urgroßvater mütterlicherseits hat „am Kortländer auf ‘nem Bierdeckel“ einen der vielen polnischen Vereine mitgegründet, die es um die Wende zum 20. Jahrhundert in Bochum gab, der Opa wurde in der Dorstener Straße geboren. Der Erste Weltkrieg und die Inflation bewirkten, dass die Familie über Belgien und Frankreich wieder in Polen ankam. „Ich hatte schon immer so das Gefühl, dass mich das Schicksal beißt“, erinnert sich die Fotografin an den Moment, als ihre Mutter ihr die Geschichte am Telefon wieder in Erinnerung rief. Ihr eigener Weg führte aus Poznań über Westberlin nach Essen und schließlich Bochum. Gut für diese Stadt.


www.kosmopolen.de

Text: Katja Eßer


Dieser Artikel ist in der BOMA-Ausgabe September 2016 erschienen.




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