BoMa Stadtmagazin

Aus dem Rahmen gefallen

Ab 11. Mai sind Bochumer Bürgerinnen und Bürger für drei Wochen zum Stadtradeln für ein gutes Klima aufgerufen.

Ziel der deutschlandweiten Kampagne des Klima-Bündnisses ist die Einsparung von CO2 - durch die Begeisterung von Menschen, im Alltag auf das Fahrrad umzusteigen. Bochum ist zudem die Hochburg der Rahmenbauer.

Zum sofortigen Umstieg durch Aufstieg verführen die einmalig eigenwilligen Fahrräder, deren Rahmen das Logo einer Ente im Schilf zieren. Das sind die selbstgebauten Fahrräder von Stephan Ensthaler, dessen Spitzname ‚Ente‘ Namensgeber für sein kleines Unternehmen Le Canard – Handgefertige Fahrradrahmen ist.

Schon seit einiger Zeit beobachtet er, wie das Fahrrad in den vergangenen Jahren immer mehr zu einer Art Lifestyleprodukt geworden ist. Und eine allgemeine Entwicklung zur „Hinwendung zur Qualität des Produkts“. Seine Kunden wollen nicht nur ein einmaliges Rad fahren, die unmittelbare Anteilnahme am Entstehungsprozess ist ihnen nicht minder wichtig. „Du bist dabei, es wird für dich gemacht. Du hast Einfluss auf jedes Maß und jede Verbindung.“ So lädt er sie auch zu sich in die Werkstatt ein. Zum Zugucken oder auch zum selbst Handanlegen nach Absprache. „Dadurch wird es zu deinem eigenen einmaligen Produkt, nur für dich.“

Von den 31 Einzelstücken, die er seit der Professionalisierung seiner Fahrradleidenschaft vor gut drei Jahren gebaut hat, sind eine gute Handvoll im Rahmen des, wie Stephan es nennt, „betreuten Bauens“ entstanden. In ungefähr drei Tagen können seine Kunden den eigenen Rahmen unter seiner Anleitung bauen. Stephan steht in dieser Zeit permanent zur Verfügung. „Ich bin die ganze Zeit da. Wenn etwas schwierig wird, greife ich ein. Aber normalerweise gebe ich nur Tipps und Anweisungen.“

Dem ersten Entwurf gehen ausführliche Gespräche voraus, in denen Stephan die Wünsche und Bedürfnisse seiner Kunden ermittelt, um sie später berücksichtigen zu können. Im Anschluss wird er exakt vermessen: Körpergröße, Schulterbreite, Arm-, Rumpf- und Schrittlänge. Damit die Seele des Rades – der Rahmen – passt. Vom Entwurf bis zur Abgabe an den Lackierer vergehen in der Regel ca. zwei Wochen. Die Lackierung benötigt weitere sechs Wochen.

Stephan fällt zudem ein Generationenwechsel bei den Fahrradbauern selbst auf. Früher herrschte noch das Bewusstsein, man müsse bei den Italienern lernen. Und die eigenen Fähigkeiten und das Wissen allenfalls an nahe Verwandte weitergeben. Oder an jemanden, den man in der Ausbildung habe. Heute ist der Erfahrungs- und Informationsaustausch sehr viel größer, als noch zu der Zeit, als Stephan sich für den Rahmenbau zu interessieren begann. „Das gefällt mir unheimlich gut.“

Mit Sven und Günter Krautscheid sind zwei weitere Rahmenbauer in Bochum ansässig, mit denen Stephan, frei von jedwedem Konkurrenzgedanken, in offenem Austausch steht. „Jeder Rahmenbauer ist individuell. Die Leute, kommen zu mir, zum Sven oder zum Günter, weil sie einen bestimmten Rahmen schön finden.“

Eine derartige Ansammlung von Rahmenbauern ist sonst im Ruhrgebiet kein zweites Mal zu finden. Und ungewöhnlich für eine Stadt dieser Größe. Stephan wünscht sich Bochum als ein Zentrum des Fahrradrahmenbaus. Und vermutet den Grund für den Anfang dieser Ballung: „Bochum ist eine kreative Stadt, eine Fahrradstadt.“ Begünstigt durch die natürlichen Gegebenheiten mit z. B. Ruhrtal und Ardeykamm. „Das macht Bochum attraktiv für Radfahrer.“

Text: Sven Berger

Le Canard - handgefertigte Fahrradrahmen
Stephan Ensthaler
www.le-canard-rahmenbau.de

Rahmenbau Sven Krautscheid
www.rahmenbau-krautscheid.de

KRABO
Günter Krautscheid
www.krabo.de

STADTRADELN 2015 – Bochum ist wieder dabei
11. bis 31. Mai 2015
www.stadtradeln.de

Dieser Artikel ist erschienen in der BOMA-Ausgabe Mai 2015.


Hotline

Für Tickets, Hotels, Stadtführungen oder für allgemeine Informationen

0234 96 30 20

Zum Veranstaltungskalender

Tickets kaufen

Bochum Tourismus ist eine Seite der

Bochum Marketing