Bochum geht aus

Post’s Lottental

Kreativ und flexibel

Mit der Übernahme durch Marcus Post vor rund zweieinhalb Jahren hat das Restaurant im Lottental seinen Charakter stark verändert – zum Positiven. Außen ist der ausladende Biergarten mit Korbsesseln und Sonnendach vor allem im Sommer zu Kaffee und Kuchen, aber auch zum Speisen und Minigolfspielergucken geeignet. Ältere Semester, die früher die Hauptklientel des Hauses ausmachten, dürften in der Terrasse ihren Ankerpunkt entdecken. Denn das teils Lounge-artige Interieur mit seinen roten Ledersesseln atmet so gar nichts mehr von der Bürgerlichkeit vergangener Tage und ist zunehmend auch für ein geschmacksbewusstes jüngeres Publikum attraktiv. Gut: Die Tische sind von unten gepolstert, das ermöglicht schallgedämpfte, angeregtere Konversationen, ohne andere Gäste zu stören. Außerdem kann man relativ unbemerkt an den weichen Zitzen spielen, den Stoffservietten. Der Jungbrunnen zeigt sich auch im Servicepersonal; eventuell auftretende Unsicherheiten werden durch Elan und Einfallsreichtum mehr als kompensiert. So konnte unserer fünfköpfigen fidelen Gruppe am Besuchsabend beispielsweise nicht der gewünschte 103er-Brandy als Digestif offeriert werden. Man führe ihn nicht. Ratlos und ohne Alternativvorschlag fiel der Tropfen ins Wasser und wir hatten uns schon damit abgefunden, eben keinen Absacker zu trinken. Wäre da nicht der junge Mann im dritten Ausbildungsjahr gewesen, der die Szene beobachtet hatte. Quick kam er mit verschiedenen Obstlern sowie zwei Grappe an den Tisch und beschrieb kenntnisreich die Eigenschaften der Wässerchen. Der braune Grappa sei weich, der helle bissig, die Obstler sehr exklusiv und teilweise nicht ganz billig. Wir genossen den weichen Grappa und folgten später der Einladung des Lehrlings, doch mal im Vergleich den Harten zu probieren. Das ist Service, selbstbewusst und flexibel. Eingeleitet wurde ein sehr gelungener und entspannter Abend mit Cappuccini von der Pfifferlings- sowie gelben Paprikarahmsüppchen mit Ingwer von der normalen Karte (beide 6,90 Euro). Serviert in Gläsern bzw. lustvoll geschwungenen, asiatisch anmutenden Tassen werden die Starter jeweils von einer saftigen Garnele und kleiner Bruschetta flankiert. Prima, lecker, kreativ. Es folgten australisches Rinderfilet im Gentleman’s Cut zu 200 Gramm (29,90 Euro), Medaillons vom Bergischen Schweinefilet an Edelpilzsauce mit Gemüse und Reibekuchen (20,50 Euro), ein Original Wiener Schnitzel mit groben Pommes, Preiselbeeren und Salat (21,90 Euro), geschmorte Kaninchenkeule mit Pfifferlingen, Portweinschalotten, und einem üppigen Kartoffel-Rucola-Stampf (22,90 Euro) und ein warmes Antipasto mit Ricotta-Gnocchi und Rucola (12,90 Euro) für die Dame am Tisch. Sie lehnt Fleisch nicht ab, weder aus ideologischen, gesundheitsbedingten oder figürlichen Gründen. Sie meint aber, die Qualität einer Küche zeige sich nicht selten am vegetarischen Angebot. Das ist quantitativ schmal, aber qualitativ top. Weil der Martin prinzipiell keine Bestellung ohne Sonderwunsch aufgibt, orderte er zum Rotweinjus, der sein Rinderfilet benetzte, zusätzlich die Café de Paris-Sauce, die eigentlich einem anderen Gericht zugeordnet war. Sie wurde ihm anstandslos und ohne Zögern serviert, in einem schön altmodischen Schälchen. Geschmeckt hat es allen an diesem Abend Aktiven. Kreativität, Brat- und Wartezeit wurden gelobt, gehört wurde kein Murren. Äh, doch, aber nur ein ganz kleines. Der Bert hätte lieber etwas anderes als Pommes zu seinem Wiener gehabt. Aber der Einwand ging kommentarlos unter. Getrunken wurden gut gezapfte Fiege- und Veltins-Biere sowie eine Flasche Rioja vom Weingut Marqués de Murrieta (0,75l, 35 Euro), die vorher am Tisch dekantiert worden war. Ein eleganter, trockener Spaß. Uli, Bert und ich hatten noch Espressi, die sich der hervorragenden Küchenleistung anpassten.

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Adresse

Post’s Lottental
Grimbergstraße 52
44797 Bochum
Tel.: 02 34. 9 73 51 12
Fax: 0234.97 35 113
info@posts-lottental.de

Website

www.posts-lottental.de

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