"Sauber austrinken" aus Tradition

"Sauber austrinken" aus Tradition Die Kult-Kneipe „Hufeisen“ im Hellweg

Dass im Fenster einer Kneipe in der FIEGEStadt eine Werbetafel für kölschen Gerstensaft hängt, ist schon ungewöhnlich. So ungewöhnlich und traditionsreich wie die Kneipe selbst.

1967 eröffnete die Kölnerin Lieselotte, „Lis“, wie sie liebevoll genannt wurde, Schrecker die Kult-Kneipe „Hufeisen“ am Hellweg. Und brachte nicht nur das Kölsch und den Karneval nach Bochum, sondern als passionierte Reiterin auch den Namen und die Ideen für die Inneneinrichtung ihrer Kneipe. 44 Jahre stand die legendäre rheinische Frohnatur hinter dem Tresen und prägte u. a. ihren Klassiker „Sauber austrinken!“.

Nachdem die wohl dienstälteste Wirtin der Stadt nach schwerer Krankheit verstarb, entschloss sich ihre Tochter Claudia Schrecker mit Herz und Seele weiterzumachen. Eine Entscheidung, die ihr zunächst schwerfiel, sie manchmal angezweifelt, aber nie wirklich bereut hat. Als einziges Kind fühlte sie die Verpflichtung, die Tradition nicht aussterben zu lassen. Zumal sie viele der Stammgäste, darin bestärkten. Waren sie doch einige Zeit ohne Trinkheimat.

Als Mutter zweier Kinder, die beruflich und privat voll eingespannt ist, ist die zusätzliche Belastung für sie schon groß. Aber nicht zuletzt die Wiedereröffnung, bei der sich hunderte von Besuchern von 17 bis 70 vor und im Hufeisen drängten, zeigten ihr, dass es die richtige Entscheidung war weiterzumachen. Und natürlich die Gäste und Stammgäste, die sich mittlerweile schon in der zweiten und dritten Generation einen einschenken lassen und sauber austrinken. Heute wie früher ist die Kneipe rappelvoll mit Gästen vom Schüler bis zum Rentner.

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Auch Lis Schrecker hat ihren Stammplatz sicher. Gegenüber dem Tresen an der Wand hängt ihr Portrait. Und überall in der Kneipe sind über tausend Bilder aus ihrem Privatarchiv angebracht, die Claudia Schrecker als Erinnerung an ihre Mutter ausgekramt hat. In Gedenken an ihre Mutter und zur Feier ihres 80. Geburtstags hat Claudia Schrecker das Hufeisen zu einem Museum gemacht, und schickt die Gäste auf eine Zeitreise durch mehr als vier Jahrzehnte. Mit Blick auf das typische Lis-Lächeln verdrückt so mancher Gast älterer Generation dann auch ein Tränchen.

Claudia Schrecker, die schon oft als Kind im Hufeisen hinter der Theke stand und aushalf, ist sich sicher, dass sie ohne die Geduld ihrer Nachbarn und ihr tolles Team nie in die zweifelsohne großen Fußstapfen ihrer Mutter hätte treten und das Hufeisen weiterführen können. Doch sie geht in ihrer Rolle als Wirtin voll auf und kümmert sich wie einst ihre Mutter rührend um ihre Gäste und Mitarbeiter.
 

Sven Berger

Dieser Artikel ist in der BOMA-Ausgabe Dezember 2019 erschienen.

Hufeisen

Hellweg 11
44787 Bochum
T 0178 4153144

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