Das Eisenbahnmuseum Bochum wird 40

Kräftig unter Dampf 2017 feierte das Eisenbahnmuseum 40-jähriges Jubiläum

Anfang der 1970er-Jahre bekommt Volker Böhm zu seinem ersten Weihnachtsfest von seinem Vater eine Märklin-Anfangspackung geschenkt. Mit der er als Kleinkind aber natürlich noch nicht spielen darf. Vermutlich hatte sich der Vater damit bloß seinen eigenen Wunsch erfüllen wollen. Unterbewusst mit dem Geschenk und dessen Vorenthaltung jedoch die Leidenschaft zur Lok seines Sohnes geweckt. Die mit jedem der mindestens ein Mal jährlichen Besuche des Eisenbahnmuseums geschürt wurde.

Heute ist Volker Böhm stellvertretender Museumsleiter, macht als Lokomotivführer Führerstandfahrten zu den Kinder- und Museumstagen und kümmert sich um den betriebsfähigen Erhalt der teilweise 100 Jahre alten Schienenfahrzeuge und Dampflokomotiven. „Ich bin Techniker von Beruf und hatte schon immer eine Affinität zur Dampflok. Schon als 16-Jähriger hatte ich angefangen hier mitzuarbeiten, und dann auch immer an einer Dampflok mitgeholfen.“ So ist er über die Zeit da reingewachsen. Das Faszinierende an der Dampflok ist für ihn, dass man im Störungsfall mit einer gut sortierten Werkzeugkiste und etwas logischem Verständnis immer noch recht weit kommt. Und, dass die Technik einer Dampflokomotive einerseits zwar hoch kompliziert ist, andererseits aber auch genial einfach: Kohle, Wasser und Dampf.

„Das Fahren der Dampflokomotive ist die Krönung.“ Dahinter stecke jedoch ganz viel Instandhaltungsarbeit. Um sie betriebsfähig zu halten „müssen wir einen irren Aufwand betreiben“. So müssen zum Beispiel Ersatzteile, die nicht mehr vorrätig oder verfügbar sind, selbst nachgebaut werden. „Wir sind sehr stolz darauf, dass wir das in dem Maße, in dem wir das tun, überhaupt so konstant hinbekommen. Das ist schon eine große Leistung von all den Kollegen, die sich da einbringen.“ Bei der Instandhaltung kann Volker Böhm mit seinen Kollegen auf ein großes Wissen zurückgreifen, das im Eisenbahnmuseum archiviert ist.

Den Fahrbetrieb Stück für Stück weiter ausgebaut, ist die Dampflok an 50 Einsatztagen in Betrieb. „Das ist für eine deutsche Museums-Dampflokomotive schon echt richtig viel.“ Das Eisenbahnmuseum Bochum ist eines der ganz wenigen Museen, die sich mit dem Thema Eisenbahn und ihrer Geschichte beschäftigen, in dem es neben einer großen Ausstellung auch einen Fahrbetrieb gibt. Zumindest an bestimmten Tagen. In seinen Anfängen eher ein Geheimtipp für Eisenbahnspezialisten, interessiert sich nun auch das allgemeine Publikum für Technik und Geschichte der Eisenbahn.

Darüber freut sich Volker Böhm ebenso sehr wie über den überraschenden Erhalt von Fördermitteln. Im Wesentlichen wurde damit bereits das Gelände gekauft und wird ein neues Empfangsgebäude errichtet.

Der Kauf des Geländes, das zuvor von der Deutschen Bahn gemietet wurde, ist ein ganz wichtiger Schritt gewesen, um diesen Standort überhaupt zukunftssicher zu machen.

Akordeon

Für das gibt es schon einen tollen Entwurf, der so weit ausgeplant ist, dass er ausgeführt werden kann. Wo jetzt noch vieles provisorisch ist, wird eine schöne Eingangssituation mit Kassen, einem Shop, Ausstellungsräumen, modernen Toilettenanlagen, einem Vortragsraum und einem Turm als Landmarke – alles architektonisch schön gestaltet – entstehen. „Wir sind allen sehr dankbar, die uns unterstützt haben, dies nun zu bekommen. Das hilft uns auf jeden Fall weiter“, freut sich Volker Böhm.

Bis zu den Feierlichkeiten zum 40-jährigen Jubiläum des Eisenbahnmuseums Bochum Ende April/Anfang Mai 2017 wird das neue Eingangsgebäude zwar noch nicht stehen, dafür steht aber bereits das Programm. Vom 30. April bis 1. Mai wird gefeiert. Mit dem Thema „Ost trifft West“ werden unterschiedliche technische Entwicklungen in Ost- und West-Deutschland gegenübergestellt und die Rahmenbedingungen, unter denen sie entstanden sind. So eine Gegenüberstellung hat es bisher nie gegeben. Außerdem sind sechs Dampflokomotiven eingeladen, die den weiten Weg aus den Niederlanden und Glauchau in Sachsen antreten werden. „Das ist ein riesen Kraftakt und hochkompliziert, eine Dampflok aus Glauchau nach Bochum zu bekommen“, sagt Walter Thomassen, zuständig für Marketing sowie Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Eisenbahnmuseum Bochum. Die Lok muss unterwegs mit Wasser, gegebenenfalls auch mit Kohle, versorgt werden. Außerdem muss eine freie Strecke gefunden beziehungsweise auf den Fahrplan der Deutschen Bahn Rücksicht genommen werden. „Das ist schon was Einmaliges, was wir hier machen. Das wird wohl später auch nicht nochmal durchführbar sein“, stellt Walter Thomassen heraus. Und Volker Böhm ergänzt: Wir gehen davon aus, dass das, zumindest unter Eisenbahnfreunden, deutschlandweit und darüber hinaus Beachtung finden wird. Am 1. Mai wird es einen Fototag mit Scheinanfahrten geben, die besonders imposante Aufnahmen ermöglichen.

Da die Eisenbahn ganz eng mit der Industriegeschichte zusammenhängt, bietet das Eisenbahnmuseum Bochum Sonderfahrten an, die unter Titeln wie „Abschied von der Kohle“ oder „Wo der Pott noch kocht“ Fahrten mit historischen Fahrzeugen mit der Geschichte des Ruhrgebiets verbinden. Vor einigen Jahren ganz klein angefangen, erfreuen sich die Sonderfahrten mittlerweile einer riesengroßen Beliebtheit. „Es kommen tatsächlich Leute extra mit dem Wunsch hierher, das Ruhrgebiet kennenzulernen“, freut sich Volker Böhm.

An Veranstaltungen wie das Jubiläum, die Kinder- oder Museumstage sind 65 ehrenamtliche Mitarbeiter auf den Beinen. In einem Jahr kommen so schon mal 33.000 ehrenamtlich geleistete Stunden und mehr zusammen. „Im Vergleich zu anderen kulturellen Einrichtungen sind wir damit ziemlich weit oben, wenn nicht sogar ganz oben mit dabei.“

Über mangelnden Nachwuchs kann sich das Eisenbahnmuseum Bochum nicht beklagen. „Wir haben eine ganz bunt gemischte Altersstruktur von 15-16 bis ins hohe Alter“, lädt Volker Böhm gleichzeitig jeden ein, mitzuma-chen, der sich für Eisenbahnen begeistert.

Sven Berger

Dieser Artikel ist in der BOMA-Ausgabe April 2017 erschienen.

Eisenbahnmuseum Bochum

Dr.-C.-Otto-Straße 191
44879 Bochum
T 0234 492516

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