Dem Himmel so nah

Dem Himmel so nah Als Heinz Kaminski zum „Kachelmann der Raumfahrt“ wurde

„Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein. Hier ist ein Märchen von übermorgen.“

Der Vorspann der ersten und bekanntesten deutschen Science-Fiction-Fernsehserie „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“ hätte genauso auch eine Prophezeiung von Heinz Kaminski, dem Gründer der Sternwarte, sein können. Als Ende der 1950er-Jahre mit dem Start des ersten künstlichen Satelliten Sputnik die Idee der Beobachtung der Erde mit Hilfe von Satelliten aufkommt, hielten das die meisten für Quatsch. „Kaminski war völlig angefixt. Er war einer der wenigen, die sich da eingeklinkt hatten“, erzählt Thilo Elsner, sein direkter Nachfolger und jetziger Leiter der Sternwarte. Nachdem es Kaminski als erstem gelang, den Sputnik zum empfangen, „wurde er in der damaligen Zeit zum Kachelmann der Raumfahrt.“

Bevor es gelang, von Menschen gemachte Objekte in eine Erdumlaufbahn zu schießen, hatte die Sternwarte genau den Zweck verfolgt, der hinter ihrem Namen zu vermuten ist: die Beobachtung der Sterne. Als Sohn eines Stahlarbeiters selbst aus dem Blaubuchsenviertel kommend, wollte Kaminski dem normalen Arbeiter Wissen vermitteln. Und so hat er zu der Zeit des Wiederaufbaus nachts auf einer Halde gesessen und den Kumpels den Sternenhimmel erklärt. „Das kann man sich gar nicht vorstellen. Die einen kümmerten sich darum, dass sie was zu essen bekamen, und er sah in dem Nachthimmel – dem einzigen, das nicht zerstört war – einen Zufluchtspunkt.“ Vor dem großen kugelförmigen Radom der Sternwarte steht auch heute noch ein Teleskop, mit dem bei klarem Himmel die Sterne beobachtet werden können.

Im Mittelpunkt der Arbeit an der Sternwarte steht schon seit den 1950er-Jahren aber weniger die optische Beobachtung als das Interesse, wie der Mensch in die Erde eingreift und sie verändert. Was heute als Klimawandel bezeichnet wird, hat Kaminski schon sehr früh angefangen zu dokumentieren. Recht schnell konnte er erste Veränderungen erkennen: Wüstenausdehnungen, das Verschwinden von Seen. „Das fand er sehr bedrohlich. Diese Forschung führen wir jetzt fort.“ Aktuell werden an der Sternwarte Satellitendaten für die NASA empfangen und ausgewertet, und ein weiterer Satellit gebaut. Die schönste und wohl spektakulärste Geschichte der Sternwarte hat Thilo Elsner vor knapp zwei Jahren erlebt. Als es ihm und seinem Team gelang, eine von der NASA in den 1970er-Jahren gestartete, im All verlorengegangenen und seit langer Zeit aufgegeben Sonde wiederzufinden und einzuschalten.

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Wie auch über die einzigen Mittschnitte der Mondlandung, außerhalb der NASA. „Mit unseren Parallelbändern ist der Beweis erbracht, dass sie dort waren.“ Das ist nur eine von vielen Geschichten, die Thilo Elsner über die „Raumfahrtstadt Bochum“ zu erzählen weiß. 

Sven Berger

Dieser Artikel ist in der BOMA-Ausgabe September 2016 erschienen.

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