Ans Herz gewachsen

Ans Herz gewachsen Die Bochumer Symphoniker haben auch nach 100 Jahren keine Berührungsängste

Unsere Bochumer Symphoniker werden 100. Ähnlich wie bei dem im selben Jahr gegründeten Schauspielhaus Bochum gehört das Possessivpronomen so untrennbar dazu wie die beiden Institutionen zu Bochum und den Bochumern. Und das nicht nur für Flötist Alexander Schütz, Kontrabassist Klaus Heimbucher, beide auch im Orchestervorstand, und Dr. Klaus Schimmelpfennig vom Freundeskreis des Orchesters. Nein, für die ganze Stadt.

„Es ist für uns ganz wichtig, den Kontakt zum Publikum zu halten“, verrät Alexander Schütz das Geheimnis und verweist auf die Schulkonzerte, die Einladungen an Schulklassen, die Stadtteilkonzerte, Auftritte am KAP oder beim Bochumer Musiksommer. „Leute in ihren Stadtteilen besuchen, das macht übrigens kein anderes Orchester in ganz Deutschland.“ Die Idee, die schon zum 75. Jubiläum entstand, „ist mittlerweile eine Marke des Orchesters geworden“, fügt Klaus Heimbucher hinzu. „So können wir auf ganz sympathische Art und Weise Leute ins Konzert locken, die sich das sonst nicht vorstellen können.“ Natürlich sei die Kunst, die die BoSy machen, sehr elitär: Große Kunst, gespielt von Spitzenmusikern aus aller Welt. Und dennoch haben sie für alle etwas dabei.

„Das macht sehr viel von unserem Selbstverständnis aus, dass keine Berührungsängste da sind. Und wir uns auch nicht zu fein dazu sind, mal Fan-Gesänge in der Ostkurve im Stadion aufzunehmen.“

Akordeon

Ganz prägend für diese Entwicklung sei Steven Sloane, der als Generalmusikdirektor nun schon seit 25 Jahren mit seinen Visionen und seinem Motto „The Sky ist the Limit“ viel Schub erzeugt. „Aber man darf auch die früheren Zeiten nicht kleinreden“, wendet Alexander Schütz ein und verweist u. a. auf Gabriel Chmura, der zum Dirigieren eines Konzerts auch zum Jubiläum wiederkommt. „Das muss eine aus künstlerischer Sicht ganz großartige Zeit gewesen sein. Da schwärmen einige heute noch von.“

Schwärmen tun die Bochumer Symphoniker gemeinschaftlich auch von ihrer neuen Heimat, dem Anneliese Brost Musikforum Ruhr. Abgesehen von der angenehmen Situation, dort zu proben, wo auch die Konzerte gespielt werden, bietet das Musikforum zwischen Bühne und Publikum eine Nähe und Intimität, „die ich in keinem anderen Haus der Welt, und ich habe schon in vielen Häusern gearbeitet, erlebt habe“, sagt Klaus Heimbucher. Und Alexander Schütz verrät: „Wir spüren das ganz stark, was im Publikum passiert.“

Mittlerweile gehören die Bochumer Symphoniker zu den fünf Spitzenorchestern in Nordrhein-Westfalen. Wenn sich Alexander Schütz darüber auch freut, so ist für ihn die wichtigere Auszeichnung jedoch die Verankerung des Orchesters in der Stadt, „dass die Leute in die Konzerte kommen, man sie erreicht und sie gerne kommen.“

„Mutmaßlich ist es so, dass wir unsere Arbeit in ganz anständiger Qualität abliefern“, vermutet Klaus Heimbucher in aller Bescheidenheit. Sonst wären sie in der Vergangenheit kaum zu internationalen Festivals, weltweiten Konzerten, Auftritten mit Herbert Grönemeyer und Take Six oder Weltstars wie Sting oder Ian Anderson, dem Day of Song oder der Harald Schmidt Show eingeladen worden. „Das ist etwas, auf das nicht nur die Bochumer Symphoniker stolz sind, sondern auch die Bochumer“, stellt Dr. Klaus Schimmelpfennig fest. „Es ist eine Herausforderung für uns, auch weiterhin spannend zu bleiben“, macht Alexander Schütz neugierig auf kommende Projekte und Auftritte.

Ab dem 15. Mai wird dann kräftig gefeiert. Beginnend mit einem Tombola-Konzert, bei dem die Besucher mit dem Ticket gleichzeitig ein Los kaufen. Die Auslosung findet direkt im Konzert statt, die Preise musikalischer Art werden sofort eingelöst. Am 18. und 19. Mai werden die Bochumer Symphoniker das für alle offene Musikforum an ganz vielen Örtlichkeiten im Haus bespielen. Neben BoSy Pur – ein Orchester ohne Dirigent – und dem Hörerorchester, bei dem die Besucher als Ensemble spielen, steht noch Blind Date mit überraschenden Begegnungen auf dem Programm. Ebenso Improvisationen mit einem DJ und Auftritte verschiedener Bands, in denen auch Musiker aus dem Orchester beteiligt sind. Und ein Noten- und Musikalienflohmarkt. Am Sonntag ist Familientag, mit einem Konzert zu Beginn und anschließender Kinderrallye. Zum Abschluss wird eine Stunde Walzer als Rausschmeißer gespielt.

„Das wird eine ganz bunte Veranstaltung, auf die wir uns alle freuen – alles Dinge, die das Orchester auf die Beine gestellt hat. Neben dem ganz normalen Dienst, der hier stattfindet.“ Und am Montag findet das bereits ausverkaufte Festkonzert statt. An dem Tag genau, an dem vor 100 Jahren das damals noch ‚Städtisches Orchester‘ genannte Ensemble zum ersten Mal auftrat. Und das Konzert ebenfalls mit Richard Wagners Vorspiel zu Tristan und Isolde eröffnete.

An dem Jubiläumswochenende wird im Kleinen Saal zudem eine von Dr. Klaus Schimmelpfennig und dem Pressereferenten des Freundeskreises des Musikforums Friedrich Ernst Düppe zusammengestellte Plakat-Ausstellung einen Überblick geben. Insbesondere über die vergangenen zehn Jahre BoSy. Darüber hinaus wird sie nochmal den langen Weg von der ersten Architekturstudie 1998 bis zur Realisierung zeigen und der Frage nachgehen, was sich musikalisch im Musikforum abspielt, auch in Bezug auf Musikvermittlung und Konzertpädagogik.

„Wir wünschen uns, dass die Leute zahlreich erscheinen und sich angesprochen fühlen.“ Um den 100. Geburtstag von unseren Bochumer Symphonikern zu feiern.

Sven Berger

Dieser Artikel ist in der BOMA-Ausgabe Mai 2019 erschienen.

Bochumer Symphoniker

Anneliese Brost Musikforum Ruhr
Marienplatz 1
44787 Bochum

www.bochumer-symphoniker.de

Anneliese Brost Musikforum Heimat der Bochumer Symphoniker

Das Anneliese Brost Musikforum Ruhr ist das neueste kulturelle Prunkstück Bochums. Die Heimstätte der Bochumer Symphoniker wurde im Oktober 2016 feierlich eröffnet und besitzt zwei Aufführungssäle, von denen der größte rund 960 Zuschauer fasst.

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