Nach dem großen Umbau ist das Planetarium runderneuert und einsatzbereit

Jetzt noch schärfer Nach dem großen Umbau ist das Planetarium runderneuert und einsatzbereit

Alle stehen in den Startlöchern. Alles ist neuer, schöner, besser. Die Technik ist eingerichtet. Das Einzige, was jetzt noch fehlt, ist das Publikum. Und das darf leider erst ins Zeiss Planetarium kommen, wenn die Kultureinrichtungen wieder öffnen dürfen. Bis dahin bleibt die Vorfreude auf das modernisierte und technisch aufgerüstete Planetarium. Denn von Ende Juli bis Mitte Dezember 2020 ist einiges passiert unter der Himmelskuppel.

 

Zuerst ist bis auf den Sternenprojektor alles aus der Kuppel entfernt worden. Neben den Stühlen, dem Teppich, den alten Projektoren und dem Podest betraf das auch die zentrale Stromverteilung, die aus dem Eröffnungsjahr 1964 stammte und dringend überholungsbedürftig war. Die Planungen für den Umbau starteten bereits im Jahr 2018. Es war abzusehen, dass die in 2010 eingebauten acht neuen Velvet Projektoren, die täglich etwa zwölf Stunden im Einsatz sind, bald erneuert werden müssen, und da entschied man sich direkt für eine Runderneuerung inklusive Mobiliar, Stromversorgung et cetera.

Die elf neuen Projektoren der Zeiss Velvet Generation III sind die ersten mit LEDs als Lichtquelle. Da jeder Projektor eine höhere Auflösung hat als vorher, beträgt die gesamte Auflösung jetzt 6K gegenüber vorher knapp unter 4K. Auch das Kontrastverhältnis ist extrem hoch: Beim normalen Beamer beträgt es 1:3.000, hier sind es knapp 1:2 Millionen. Dem ungeübten Auge wird die bessere Bildqualität vielleicht nicht unbedingt auffallen, aber die Mitarbeiter des Planetariums, die die Shows auswendig kennen, sind ganz verzückt darüber, wie viele Details auf einmal sichtbar werden und wie farbig und brillant die Projektionen wirken.

Da das Zeiss Planetarium ein Hybridplanetarium ist, werden die Shows durch zwei verschiedene Elemente auf die Himmelskuppel übertragen: Das Herzstück bildet der Sternenprojektor Universarium Modell IX aus dem Jahr 2000, der in seiner grundsätzlichen Funktion nicht verbesserbar ist (es gibt daher auch kein Modell X). Allerdings werden jedes Jahr unterschiedliche Teile modernisiert, zum Beispiel die Steuerungssoftware oder die Umstellung auf LEDs.

Um den Sternenprojektor gruppieren sich seit dem Umbau jetzt elf (statt vorher acht) digitale Videobeamer, die eine Ganzkuppelprojektion mit bewegten, digitalen Bildern ermöglichen. Somit ist das Zeiss Planetarium Bochum eines der modernsten Hybridplanetarien weltweit.

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Da auch der Innenraum im Rahmen des Umbaus komplett neu gestaltet wurde, hat man sich im Vorfeld ein neues Farbkonzept überlegt. Der Raum sollte farblich einen Rahmen zum Geschehen auf der Kuppel bilden, aber nicht eigenständig handeln durch eine auffällige Farbgebung. Die Stühle sind jetzt dunkelgrau statt blau und auch der Teppich hat einen anderen Farbton. Auch hat man zusammen mit einem lokalen Unternehmen eine Beize gefunden, durch die die Armlehnen der neuen Stühle jetzt dem Farbton der denkmalgeschützten Türen entsprechen. Alles eine gut durchdachte und runde Sache. Wobei übrigens nicht abzusehen war, ob tatsächlich alles gut ausgeht. Schließlich befand man sich im letzten Jahr auch in diversen coronabedingten Lockdowns, und somit konnten die Mitarbeiter der spanischen Firma, die die neuen Stühle produziert hat, nicht zur Lieferung und Montage der Stühle nach Deutschland einreisen. Nur durch den großen Einsatz der spanischen Partner wurden deutsche Handwerker gefunden, die den Aufbau der Stühle vor Ort übernehmen konnten.

Durch eine neue Abstandsregelung (nein, diesmal nicht im Zusammenhang mit Corona) gibt es jetzt übrigens neun Plätze weniger als vorher. Es sind jetzt 251 statt vorher 260. Auch die Anordnung wurde etwas verändert und ist runder geworden, so dass die Zuschauer auf den Außenplätzen am Kuppelrand ins Innere schauen können, ohne den Kopf drehen zu müssen. Zudem wurde die Sicherheit verbessert. Es gibt eine neue vollflächige Brandschutzanlage, die auch alle nicht zugänglichen Bereiche abdeckt, zum Beispiel unter dem Podest. Die neuesten Brandschutzbestimmungen waren übrigens der einzige Grund, warum man knapp über dem kalkulierten Budget lag. Denn beim Podestbau musste man andere Materialien verwenden als geplant. Und in Zeiten, in denen bei großen (Um-)Bauten das Budget oft um ein Vielfaches überstiegen wird, ist das alleine schon eine bemerkenswerte Leistung.

Sobald das Planetarium wiedereröffnen kann, wird es übrigens erstmal keine Preiserhöhung geben, und es werden drei neue Shows ins Programm aufgenommen: Die Eigenproduktion „Zu den Sternen“, die Musikshow „Flow – Visions of Time“ sowie eine neue Folge der Drei ???. Ein weiterer für Anfang Mai geplanter Programmpunkt, vier Aufführungen vom Theater der Klänge aus Düsseldorf, musste coronabedingt auf den Herbst verlegt werden. Aber auch dann wird „Mensch und Kunstfigur im Kugeltheater“, ein speziell für das Planetarium entwickelte Tanztheater mit Videoprojektionen, ein besonderer Höhepunkt sein. Im Mai oder ebenfalls alternativ im Herbst stattfinden wird der Immersive Hackathon. Hier werden (vorher negativ auf Corona getestete) Kleingruppen innerhalb von 24 Stunden Anwendungen programmieren, die dann am Abend auf der Kuppel gezeigt wird. Die Preisverleihung erfolgt je nach Lage online oder mit Pressepräsenz. Es wird also aufregend im Planetarium, und wir können es kaum erwarten, wieder dabei sein zu können.

 

Bettina Kersting

Dieser Artikel ist in der BOMA-Ausgabe Mai 2021 erschienen.

Digitales Angebot Auch wenn das Planetarium aufgrund der aktuellen Bestimmungen zur Coronapandemie nicht geöffnet hat, so gibt es für Interessierte ein großes Angebot an digitalen Programmen für zu Hause.

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