Ein Buch als Wink des Schicksals

Ein Buch als Wink des Schicksals Regina Stabel macht eine Ausbildung zur Buchbinderin

Im digitalen Zeitalter mit E-Books und Zeitschriften, die aus Bytes bestehen und als Pixel auf Tablets angezeigt und gelesen werden, mag den Beruf des Buchbinders kaum noch jemand kennen. Zumindest wird es Verwunderung auslösen, dass es ihn überhaupt noch gibt. Und das in diesem Beruf noch ausgebildet wird.

„Ich selber kannte den Beruf auch nicht“, gibt Regina Stabel zu. Seit ungefähr einem halben Jahr macht sie in der Restaurierungswerkstatt des Stadtarchivs Bochum, im Zentrum für Stadtgeschichte, eine Ausbildung zur Buchbinderin; in der Fachrichtung Einzel- und Sonderfertigung. „Jedem, dem ich das erzähle, der guckt erstmal ganz komisch.“ Und möchte wissen, was genau sie da macht. „Ich restauriere und binde Bücher.“ Also alte und beschädigte Bücher wieder instand setzen und Zeitungen und Zeitschriften einbinden und sie für die Archivierung zu Bänden zusammenfassen.

Der beruf ist ziemlich vielfältig.

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Der Umgang mit unterschiedlichen Materialien und Klebstoffen, die verschiedenen Bindetechniken, „da gibt es sehr viele“, und beispielsweise die Anfertigung von Kästen, Schubern und Kassetten, in denen Bücher aufbewahrt werden. Um so vor allem alte geschichtliche Dokumente der Stadt Bochum zu erhalten. Der Bau von Bilderrahmen und Präsentationshilfen und das Zuschneiden von Passepartouts gehören auch dazu.

Zuvor zur Floristin ausgebildet, wollte sie etwas machen, das nicht so vergänglich wie Blumen ist, sondern langlebig. „Ich wollte schon immer etwas reparieren und restaurieren.“ Über die Überlegung nach einem passenden Studiengang ist sie auf die Buchbinderei gestoßen. „Dann habe ich mir das durchgelesen und fand es sehr spannend.“

Als angehende Buchbinderin bringt Regina Stabel handwerkliches Geschick, Kreativität, einen Sinn für Genauigkeit und Geduld mit. „Man sollte schon die Sachen schätzen, die man in der Hand hat, und gut mit ihnen umgehen.“ Sie liest auch ziemlich viel, so ist das Interesse für Bücher sowieso vorhanden. „Natürlich dürfen Buchbinder auch gerne lesen“, lacht ihre Ausbilderin und Leiterin der Restaurierungswerkstatt Stephanie Determann. „Aber das ist nicht die Grundvoraussetzung, weil wir die Bücher hier ja nicht alle selber lesen müssen.“

Toll an ihrer Tätigkeit finden die beiden zusammen mit Nicole Spielbrink, die an gleichem Ort vor drei Jahren ihre Ausbildung zur Buchbinderin abgeschlossen hat, dass sie am Ende etwas erschaffen haben. Ursprünglich aus Niedersachsen stammend und sich in ganz Deutschland um einen Ausbildungsplatz zur Buchbinderin bewerbend, wusste sie zunächst nicht, dass Stadtwappen und Logo der Stadtmarke Bochum ein Buch als Symbol tragen. „Als ich dann zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurde, habe ich es mir genauer angesehen. Und mir gedacht, dass das schon ein Schicksalswink ist.“ Erst hatte sie schon etwas die Befürchtung, Heimweh bekommen zu können. „Aber ich fühle mich pudelwohl hier.“

Mit ihrer Ausbilderin und ihren Kollegen versteht sie sich blendend und schwärmt von ihrer offenen und freundlichen Aufnahme. Sie möchte erstmal auf keinen Fall wieder zurück. Und freut sich sehr darüber, bei Stephanie Determann und Nicole Spielbrink viel und vor allen Dingen gründlich beigebracht zu bekommen. Die beiden legen sehr viel Wert darauf, dass Regina Stabel alles vernünftig umsetzen kann. Das sieht bei den meisten ihrer Mitschüler in der Berufsschule ganz anders aus.

Oft darauf angesprochen, warum sie sich gerade diese Ausbildung ausgesucht hat, antwortet sie selbstbewusst: „Ich bin sehr stolz darauf, dass ich diesen Beruf noch erlernen kann. Wir machen hier ja auch Sachen, die geschichtlich wichtig für Bochum sind.“

Von Sven Berger

Dieser Artikel ist in der BOMA-Ausgabe Mai 2019 erschienen.

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Stadtarchiv - Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte Das Bochumer Zentrum für Stadtgeschichte widmet sich der mehr als 800-jährigen Geschichte der Ruhrgebietsstadt – vom Mittelalter bis heute – und ist damit die Anlaufstelle Nummer Eins rund um Bochums Historie.

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